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Grand homme

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1. Einleitung

Der Begriff grand homme bezeichnet ein Gegenmodell zum traditionellen, militärischen héros, das die französische Ideengeschichte des Heroischen in der zweiten Hälfte des 18. und im 19. Jahrhundert prägte. Es geht zurück auf einen Beitrag des Chevalier Louis de Jaucourt zu der seit 1751 von Denis Diderot und Jean le Rond d’Alembert herausgegebenen Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Mit verwandten Konzepten wie dem deutschen Geniekult und dem Geisteshelden, den britischen great men oder allgemein dem Kult der ‚großen Männer‘ gelangte der grand homme außerdem zu europäischer Bedeutung. Zugleich erfuhr das Konzept im 19. Jahrhundert einen regen medialen Niederschlag in Kunst, Architektur und Symbolpolitik.

2. Entstehungsgeschichte: Der Chevalier de Jaucourt und die Vordenker der Französischen Revolution

Anfang 1752 erschien der erste Band der Encyclopédie in Paris. Unter den Enzyklopädisten, die unter der Anleitung von Diderot und d’Alembert an dem Mammutwerk arbeiteten, zählte der Chevalier Louis de Jaucourt zu den aktivsten Beiträgern. Als um den Jahreswechsel 1765/66 der achte Band der Encyclopédie erschien, enthielt er einen Beitrag zum héros, in dem Jaucourt das Konzept des grand homme als Gegenmodell ausformulierte. Für Jaucourts Ideen hatte es jedoch bereits im frühen 18. Jahrhundert bedeutende Vorläufer gegeben. So hatte 1739 Charles-Irénée Castel de Saint-Pierre als Vorwort in der Histoire d’Épaminondas des Abbé Séran de La Tour seinen Discours sur les différences du grand homme et de l’homme illustre veröffentlicht. Im Gegensatz zu Jaucourt, der den großen Mann vom Kriegshelden abgrenzen sollte, hatte Saint-Pierre darin jedoch die inneren Tugenden des grand homme mit der erzwungenen äußeren Macht des homme puissant kontrastiert.1 Während der Begriff des héros ursprünglich jenem Mann vorbehalten gewesen sei, „qui réunissoit les vertus guerrieres aux vertus morales & politiques“2, so maß Jaucourt ihm in der Mitte des 18. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der aristokratischen Heroisierungskultur nur noch eine stark reduzierte Bedeutung zu. Der héros bezeichne lediglich und ausschließlich den Kriegshelden, dessen Heldentaten alleine der körperlichen Befähigung, militärischen Wagemuts und der Tapferkeit bedürften. Die moralischen und politischen Tugenden, die dagegen für Jaucourt an erster Stelle standen, seien dem héros im Vergleich zu seinen antiken Vorläufern gänzlich abhandengekommen. Als neue Verkörperung der klassischen Ideale sah Jaucourt dagegen den grand homme. Dieser vereine in sich nicht nur intellektuelle Talente, Genialität und Tugendhaftigkeit, sondern er zeichne sich im Gegensatz zum héros durch eine tiefe und dauerhafte Sorge um das Gemeinwohl und das Glück des Volkes, Pflichtbewusstsein gegenüber seinem Fürsten und dem Staat aus. Anders als das Heldentum des héros, das gänzlich vom Erfolg seiner Taten abhänge, sei das des grand homme von äußeren Einflüssen unabhängig, da es ein verinnerlichtes Heldentum sei, dass sich nicht in kurzlebigen, ruhmreichen Kriegstaten, sondern in stillen, dauerhaften Wohltaten ausdrücke.3

Jaucourts Konzept des grand homme muss vor dem geistesgeschichtlichen Hintergrund der französischen Aufklärung und der sozialen Veränderungen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelesen werden. Als Gegenmodell zum militärischen héros war der grand homme zugleich eine Absage an die aristokratische Ständeordnung und eine Aufwertung des bürgerlichen, meritokratischen Gesellschaftsideals. Die dem persönlichen Ruhm dienlichen Taten der Kriegshelden wertete Jaucourt zugunsten der heroischen Arbeit ‚großer Männer‘ für das gesellschaftliche Gemeinwohl deutlich ab.

Sowohl für die Vordenker als auch die politischen Akteure der Französischen Revolution erwies sich das Konzept des grand homme als äußerst attraktiv. Während die adligen Militärhelden seit der Mitte des 18. Jahrhunderts sich zusehends neuen Herausforderungen gegenüber sahen und immer deutlicher unter einem Glaubwürdigkeitsdefizit litten – etwa durch den Aufstieg der héros subalternes4 unter den einfachen Soldaten – wurden herausragende Literaten und Philosophen wie Voltaire oder Rousseau glaubwürdig zu grands hommes stilisiert. Anders als in den überladenen bildlichen Darstellungen aristokratischer héros des späten Ancien Régime betonten die medialen Repräsentationen der grand hommes die Einfachheit der Akteure. Der Bildhauer Jean Antoine Houdon stellte in seinem 1781 fertiggestellten Standbild den wenige Jahre zuvor verstorbenen Voltaire nicht in heroischer Pose und prunkvollem Ornat, sondern ausschließlich mit einer Toga bekleidet auf einem schlichten Stuhl sitzend dar. Nicht der äußerliche Ruhm, sondern die innere Größe rückte ins Zentrum der Darstellung. (Abb. 1.)

Allerdings war der einflussreiche Aufklärer ein Brennpunkt bildlicher Darstellungen des grand homme gewesen. 1776 übergaben ihm Freunde und Verehrer, darunter auch Diderot und d’Alembert, eine Skulptur, die sie bei dem Bildhauer Jean-Baptiste Pigalle in Auftrag gegeben hatten. Darin hatte dieser den Voltaire nu geradezu zum Idealbild des gealterten grand homme stilisiert. (Abb. 2.)

Nach 1789 instrumentalisierten bedeutende Akteure der Französischen Revolution zusehends das Modell des grand homme. Die Umfunktionalisierung der Kirche St. Geneviève in Paris in ein nationales Panthéon bedeutete die Institutionalisierung des Konzepts der ‚großen Männer‘ durch die Revolution. Die dort Beigesetzten wurden zwangsläufig zu grands hommes stilisiert, gerade wenn es sich bei ihnen um die Opfer politischer Attentate handelte. Neben diesen revolutionären Totenkulten wiesen aber auch Selbstinszenierungsstrategien wie der Tugendkult, den Maximilien de Robespierre und seine Anhänger pflegten, deutliche Familienähnlichkeiten zum Modell des grand homme auf.

Der Aufstieg Napoleon Bonapartes zum Konsul der französischen Republik 1799 und zum Kaiser der Franzosen 1804 markierte einen entscheidenden Schwellenmoment in der geistesgeschichtlichen Entwicklung des Konzepts des grand homme. Denn in Anschluss an das revolutionäre Modell des soldat-citoyen gelang es dem jungen, erfolgreichen Revolutionsgeneral Bonaparte durch die symbolpolitisch geschickte Stilisierung seiner Siege und (oftmals fiktiven) Heldentaten in Italien und Ägypten das Konzept des militärischen héros zu erneuter Popularität zu führen. Mit den Heroisierungen seiner militärischen Erfolge gingen nach der Machtergreifung Heroisierungen seiner politischen Taten einher, etwa im Zuge der Gesetzgebung des Code Civil, in deren Kontext sich Bonaparte zum außergewöhnlichen Staatsmann und politischen Messias stilisierte. Auf dieser Grundlage entwickelte sich das ‚Heldenmodell Napoleon‘ zu einem symbolpolitisch äußerst wirkmächtigen Amalgam aus héros und grand homme, dass die Geistesgeschichte französischer Heldendiskurse über das gesamte 19. Jahrhundert hinweg prägte. Die Gesellschaften der folgenden monarchischen und republikanischen Regime waren in ihrem Ringen um politische Legitimität in der Folge der fundamentalen Umwälzungen nach 1789 sowohl vom langen Nachleben napoleonischer Heldenkulte als auch der Fokussierung auf die Modelle heroischer und ‚großer Männer‘ als einer treibenden Kraft der Geschichte beeinflusst.

3. Héros, Great Man, Genie und Geistesheld – Verwandte Konzepte

Sowohl in Frankreich als auch in anderen nationalen Kontexten entstanden zeitgleich mit dem Modell des grand homme verwandte oder von starken Familienähnlichkeiten geprägte Konzepte, die sich im Lauf des 18. und 19. Jahrhunderts parallel weiterentwickelten und verbreiteten. In Frankreich existierte das Konzept des héros neben dem des grand homme weiter, auch wenn es in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts von der Wirkmacht des Letzteren deutlich überschattet wurde. Im deutschsprachigen Raum erwies sich dagegen das ‚Genie‘ als langlebiges und geistesgeschichtlich einflussreiches Konzept. Prominente Literaten und Philosophen der Aufklärung wie Gotthold Ephraim Lessing und Immanuel Kant hatten sich im 18. Jahrhundert damit auseinandergesetzt. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts waren es aber vor allem die Stürmer und Dränger, die sowohl ihre literarischen und ästhetischen als auch ihre gesellschaftlichen und politischen Anliegen mit dem Konzept des Genies identifizierten und den Begriff damit weiter profilierten. Johann Wolfgang Goethes zwischen 1772 und 1774 entstandene Prometheus-Hymne stellte geradezu eine Autonomie-Erklärung dieser neuen Genie-Idee gegenüber ihren Vorgängern dar.5

Jedoch war das deutsche Geniekonzept teils sehr raschem Wandel unterworfen. Schon wenige Jahrzehnte später definierte Goethe, nun als Vertreter der Weimarer Klassik, den Begriff auf ganz andere Weise. In den Gesprächen mit seinem Sekretär Eckermann hatte er sich bereits von der aufrührerischen Schöpfungskraft als zentralem Merkmal des Genies distanziert und setzte an deren Stelle die Langlebigkeit und Nachhaltigkeit seiner Werke als entscheidendes Kriterium für den Erfolg des Genies. Im Anschluss an sein eigenes Treffen mit Napoleon stilisierte er sowohl den französischen Kaiser als auch sich selbst zu einer solchen Art von Genie und suchte damit zusätzlich die Grenzen zwischen der Kunst und der Politik, der verinnerlichten und der äußeren, durch die Tat definierten Genialität zu verwischen.6 Als Konstante aus den Zeiten des Sturm und Drang blieb diesem klassischen Geniekonzept das Prinzip der Gestalthaftigkeit erhalten, das noch Anfang des 20. Jahrhunderts im Kontext des Anhängerkreises um den Dichter Stefan George ein Grundmerkmal der deutschen Genie-Idee darstellte. Als deutlich weniger trennscharfe Zuschreibung trat im Lauf des 19. Jahrhunderts in Ableitung vom Geniekonzept der Begriff des Geisteshelden auf, der oftmals auf große Dichter wie Friedrich Schiller angewandt wurde.

Im anglo-amerikanischen Raum war es das Modell des great man, das sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute und das sich in enger Verwandtschaft bis hin zur Synonymität zum grand homme bewegte. Einen paradigmatischen Moment markierte die Studie des schottischen Historikers Thomas Carlyle zur Rolle des Heroischen in der Geschichte. In der 1840 abgehaltenen öffentlichen Vorlesungsreihe On heroes, hero-worship and the heroic in history kritisierte Carlyle die Entpolitisierung des Heroischen, die in Großbritannien in den vorhergehenden Jahrzehnten stattgefunden habe, sowie den postheroischen Zustand, in dem sich die zeitgenössische viktorianische Gesellschaft befände. Die Begriffe hero und great man verwandte er dabei praktisch synonym und stellte dem historischen Verfallsmodell, das er von der Geschichte der Helden und der Heldenverehrung zeichnete, die Theorie gegenüber, dass die Geschichte der Welt nichts anderes als die Summe der Biographie ‚großer Männer‘ sei,7 die er damit zur einzig treibenden Kraft jeglichen historischen Fortschritts stilisierte. Als Idealtypus des great man identifizierte Carlyle schließlich den englischen Revolutionshelden Oliver Cromwell, den er dem Modell des grand homme vergleichbar als einen außergewöhnlichen Mann beschrieb, der sich sowohl durch militärisches und politisches Geschick als auch durch moralische und religiöse Tugenden ausgezeichnet habe. Zehn Jahre später skizzierte der amerikanische Philosoph und Essayist Ralph Waldo Emerson, der mit Carlyle persönlich bekannt und von seinen Thesen beeinflusst war, in einer eigenen Vortragsreihe über die Representative Men ein sehr ähnliches Modell der ‚großen Männer‘.

Die große Affinität der britischen Gesellschaft für den Begriff des great man rührte vor allem daher, dass Jaucourts Modell des grand homme dem britischen Heldenverständnis des späten 18. und 19. Jahrhunderts sehr viel eher entsprach als etwa das transgressive, charismatische Heldenmodell, das Napoleon Bonaparte vertrat. Dessen Kontrahent, der Herzog von Wellington, wurde im Lauf des 19. Jahrhunderts geradezu zu einer Verkörperung eines solchen britischen Helden stilisiert, der der schillernden Außergewöhnlichkeit des energetischen, französischen Tathelden heroisches Pflichtbewusstsein und Zurückhaltung gegenüberstellte.8

4. Panthéon und nationale Ruhmestempel – Geistesgeschichtliche und mediale Artikulationen im langen 19. Jahrhundert

Die Pantheonisierung ‚großer Männer‘ war das prominenteste Phänomen der geistesgeschichtlichen, medialen, performativen und auch politischen Artikulation des Kults der ‚großen Männer‘, das zudem zwar zuerst in Frankreich während der französischen Revolution auftrat, in der Folge aber europäische Schule machte.

1791 wurde die erst kurz zuvor fertiggestellte Pariser Kirch St. Geneviève als nationaler Ruhmestempel in das Panthéon umgewandelt, das zukünftig als Begräbnisstätte für ‚große Männer‘ dienen sollte, die sich um Frankreich verdient gemacht hatten. Als Erstem wurde diese Ehre dem Anfang April verstorbenen Revolutionspolitiker Marquis de Mirabeau zuteil, kurz darauf wurde auch der Leichnam Voltaires dorthin überführt. Dieser Schritt bedeutete die symbolpolitische Institutionalisierung des Kults der ‚großen Männer‘ durch die Revolution, die ein fester Bestandteil der politischen Kultur der folgenden Jahre blieb. Auch während der Phase der radikalen Revolution ab 1792 wurde vom Mittel der Pantheonisierung reger Gebrauch gemacht. Die beiden prominentesten Opfer politischer Attentate während dieser Zeit, Le Peletier de Saint Fargeau und Jean Paul Marat, wurden beide 1793 als Märtyrer und Revolutionshelden im Panthéon beigesetzt. Jedoch war diese Form der Heroisierung ebenfalls dem raschen politischen Wandel unterworfen, der die Revolution insgesamt auszeichnete. Schon 1795 wurden nach dem Sturz der Schreckensherrschaft beide wieder aus dem Panthéon entfernt, dem Leichnam Mirabeaus war es bereits 1794 genauso ergangen.

Dennoch war mit der Umwandlung der Kirche St. Geneviève in das Panthéon einer der sowohl materiell als auch ideengeschichtlich nachhaltigsten Erinnerungsorte Frankreichs entstanden.9 Gleichzeitig trug diese Institutionalisierung des Kults der ‚großen Männer‘ langfristig aber auch zu einem Bedeutungsverlust des Modells des grand homme bei, das innerhalb weniger Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts in Frankreich die Trennschärfe im Vergleich zum Modell des héros verlor. Auch das zeigte sich paradigmatisch anhand des Panthéon: 1837 wurde über dem Hauptportal ein neues Frontispiz angebracht, das von der Julimonarchie bei dem Bildhauer David d’Angers in Auftrag gegeben worden war. (Abb. 3.) In der Mitte zeigte es eine weibliche Personifikation des Ruhms, die an die von links herandrängenden zivilen und auf die von rechts kommenden militärischen ‚großen Männer‘ Lorbeerkränze verteilte. Auf beide Gruppen wurde ohne Unterscheidung der Begriff grand homme angewandt, wie die Inschrift unter dem Frontispiz belegt: „Aux grands hommes la patrie reconnaissante“.

Frontispiz des Panthéon
Frontispiz des Panthéon

1837, Paris. Entwurf und Ausführung von David d’Angers.
Quelle: Fotografie von Benjamin Marquart
Lizenz: Creative Commons BY-ND 4.0

Auch außerhalb Frankreichs erwies sich die Idee der nationalen Ruhmestempel für die ‚großen Männer‘ als anschlussfähig. In Großbritannien existierte mit der Poet’s Corner in Westminster Abbey bereits seit dem 16. Jahrhundert eine eigene Tradition der postumen Ehrung großer Künstler. Nach französischem Vorbild wurde Anfang des 19. Jahrhunderts aber gezielt die Umwandlung der Londoner Kathedrale von St. Pauls in ein eigenes Pantheon betrieben, das großen Politikern und Feldherren wie Nelson oder Wellington als letzte Ruhestätte dienen sollte.10

Im deutschsprachigen Raum war es unmittelbar nach dem Ende der Befreiungskriege Ludwig I. von Bayern, der die Idee eines nationalen Ruhmestempels aufgriff. 1842 wurde bei Regensburg nach einer langwierigen Baugeschichte die Walhalla eingeweiht, die nach der Absicht des bayerischen Königs als Gedenkstätte für die ‚großen Männer‘ der deutschen Nation dienen sollte. In dieser eigenen Institutionalisierung des Kults ‚großer Männer‘ nach französischem Vorbild sah Ludwig ein wichtiges Instrument nationaler Identitäts- und Traditionsstiftung.

5. Forschungsüberblick

Die Geschichte der Encyclopédie sowie der Enzyklopädisten ist sowohl von der Geschichts- als auch der Literaturwissenschaft ausführlich erfasst und untersucht worden. Der größte Teil dieser Forschung bezieht sich jedoch auf das Gesamtwerk und die Konzeption der gesamten Encyclopédie oder befasst sich biographisch mit den Herausgebern und Beiträgern.11 Das Modell des grand homme ist in der französischen Forschung vor allem unter dem Gesichtspunkt des Kults der ‚großen Männer‘ untersucht worden, sei es unter allgemeinen ideengeschichtlichen oder konkreten kunstgeschichtlichen Aspekten.12 Die lange Geschichte der deutschen Genie-Idee und des Geniekults ist vor allem von der germanistischen Literaturwissenschaft ausgiebig erforscht worden.13 Für das britische Konzept des great man liegen dagegen kaum eigenständige Studien vor, vielmehr wurden bedeutende Akteure dieser Diskurse wie Tomas Carlyle biographisch und literaturwissenschaftlich behandelt.14 Die Bedeutung des Panthéon und der Idee nationaler Ruhmestempel als sowohl materielle wie auch ideelle Erinnerungsorte wurde von Mona Ozouf in dem von Pierre Nora herausgegebenen, einflussreichen Sammelwerk zu den Lieux de Mémoire eindrücklich untersucht und hervorgehoben.15 Für die Geschichte des Verhältnisses der Konzepte von grand homme und héros ist vor allem Ronald G. Aschs jüngst erschienene Studie zum Herbst des Helden hervorzuheben.16 Für eine Darstellung der Ideengeschichte des Konzepts des grand homme ist außerdem Michael Gampers Monographie Der große Mann. Geschichte eines politischen Phantasmas hervorzuheben.17

6. Einzelnachweise
  • 1 .
    Vgl. Gamper, Michael: Der große Mann. Geschichte eines politischen Phantasmas. Göttingen 2016: Wallstein,  57.
  • 2 .
    Jaucourt, Louis de: „HÉROS, s.m. (Gramm.)“. In: Diderot, Denis / d’Alembert, Jean-Baptiste le Rond (Hg.): Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des Sciences, des Arts et des Métiers, par une Société de Gens de Lettres. Nouvelle Édition (Bd. 17). Genf 1778: Pellet, 381.
  • 3 .
    Vgl. Jaucourt: „HÉROS, s.m. (Gramm.)“, 1778, 381-382.
  • 4 .
    Vgl dazu: d’Aucour, Claude Godard: L’Académie militaire, ou Les héros subalternes (2 Bd.). Amsterdam 1749: par la Société.
  • 5 .
    Vgl. Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie-Gedankens in der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750-1945. Bd. 1: Von der Aufklärung bis zum Idealismus. Darmstadt 21988: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 263-265.
  • 6 .
    Vgl. Beßlich, Barbara: Der deutsche Napoleon-Mythos. Literatur und Erinnerung 1800 bis 1945. Darmstadt 2007: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 150-159.
  • 7 .
    Vgl. Carlyle, Thomas: On heroes, heroworship, and the heroic in history. Six lectures. Reported, with emen-dations and additions. London 1841: Fraser, 47.
  • 8 .
    Vgl. dazu: Pears, Iain: „The Gentleman and the Hero. Wellington and Napoleon in the Nineteenth Century“.In: Porter, Roy (Hg.): Myths of the English. Cambridge 1992: Polity Press, 216-236.
  • 9 .
    Vgl. dazu: Ozouf, Mona: „Le Panthéon“. In: Nora, Pierre (Hg.): Les Lieux de Mémoire (Bd. 1): La République. Paris 1984: Gallimard, 139-166.
  • 10 .
    Vgl. Hoock, Holger: Empires of the Imagination. Politics, War, and the Arts in the British World, 1750-1850. London 2010: Profile Books, 184-187.
  • 11 .
    Vgl. Blom, Philipp: Das vernünftige Ungeheuer. Diderot, D’Alembert, de Jaucourt und die große Enzyklopädie (aus dem Englischen übersetzt von Michael Bischoff). Frankfurt am Main 2005: Eichborn. Vgl. Haechler, Jean: L’Encyclopédie de Diderot et de… Jaucourt. Essai biographique sur le chevalier Louis de Jaucourt. Paris 1995: Champion.
  • 12 .
    Vgl. Maaz, Bernhard: Vom Kult des Genies. David d’Angers’ Bildnisse von Goethe bis Caspar David Friedrich. München/Berlin 2004: Deutscher Kunstverlag. Vgl. Minois, Georges: Le culte des grands hommes. Des héros homériques au star system. Paris 2005: Audibert.
  • 13 .
    Vgl. Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie-Gedankens in der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750–1945 (2 Bd.). Heidelberg 32004: Winter.
  • 14 .
    Vgl. Heffner, Simon: Moral Desperado. A Life of Thomas Carlyle. London 1995: Weidenfeld and Nicolson. Vgl. Morrow, John: Thomas Carlyle. London 2006: Hambledon Continuum. Vgl. Rosenberg, John D. : Carlyle and the Burden of History. Oxford 1985: Clarendon Press.
  • 15 .
    Vgl. Ozouf: „Le Panthéon“, 1984.
  • 16 .
    Vgl. Asch, Ronald G.: Herbst des Helden. Modelle des Heroischen und heroische Lebensentwürfe in England und Frankreich von den Religionskriegen bis zum Zeitalter der Aufklärung: ein Essay. Würzburg 2016: Ergon.
  • 17 .
    Vgl. Gamper: „Der große Mann“, 2016.
7. Ausgewählte Literatur
  • Asch, Ronald G.: Herbst des Helden. Modelle des Heroischen und heroische Lebensentwürfe in England und Frankreich von den Religionskriegen bis zum Zeitalter der Aufklärung. Ein Essay. Würzburg 2016: Ergon.

  • Blom, Philipp: Das vernünftige Ungeheuer. Diderot, D’Alembert, de Jaucourt und die große Enzyklopädie (aus dem Englischen übersetzt von Michael Bischoff). Frankfurt a. M. 2005: Eichborn.

  • Fromm, Eberhard: Der Kult der großen Männer. Berlin 1991: Dietz.

  • Gamper, Michael: Der große Mann. Geschichte eines politischen Phantasmas. Göttingen 2016: Wallstein.

  • Haechler, Jean: L’Encyclopédie de Diderot et de… Jaucourt. Essai biographique sur le chevalier Louis de Jaucourt. Paris 1995: Champion.

  • Hoock, Holger: Empires of the Imagination. Politics, War, and the Arts in the British World, 1750–1850. London 2010: Profile Books. (Darin: Kapitel 3. „‘Pretensions to Permancy’“ und Kapitel 4. „Modern Heroes“)

  • Maaz, Bernhard: Vom Kult des Genies. David d’Angers’ Bildnisse von Goethe bis Caspar David Friedrich. München/Berlin 2004: Deutscher Kunstverlag.

  • Minois, Georges: Le culte des grands hommes. Des héros homériques au star system. Paris 2005: Audibert.

  • Ozouf, Mona: „Le Panthéon“. In: Nora, Pierre (Hg.): Les Lieux de Mémoire. La République. Band 1. Paris 1984: Gallimard, 139-166.

  • Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie-Gedankens in der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750–1945. Band 2. Heidelberg 32004: Winter.

8. Abbildungsnachweise

Abb. 1 & Teaser: Jean-Antoine Houdon: „Voltaire assis“, ca. 1781, Gips, 137,16 cm × 71,12 cm × 93,98 cm, Los Angeles, The Los Angeles County Museum of Art, Inv.-Nr. M.2004.5.
Quelle: The Los Angeles County Museum of Art (Zugriff am 15.12.2017)
Lizenz: Public Domain

Abb. 2: Jean-Baptiste Pigalle: „Voltaire nu“, 1776, Marmor, 150 cm × 89 cm × 77 cm, Paris, Musée du Louvre, Inv.-Nr. Ent. 1962.1 (Leihgabe des Institut de France.)
Quelle: User:Coyau / Wikimedia Commons (Zugriff am 15.12.2017)
Lizenz: Creative Commons BY-SA 3.0

Abb. 3: Panthéon, Frontispiz, 1837, Paris. Entwurf und Ausführung von David d’Angers.
Quelle: Fotografie von Benjamin Marquart
Lizenz: Creative Commons BY-ND 4.0

Zitierweise

Marquart, Benjamin: „Grand homme“. In: Compendium heroicum. Hg. von Ronald G. Asch, Achim Aurnhammer, Georg Feitscher und Anna Schreurs-Morét, publiziert vom Sonderforschungsbereich 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ der Universität Freiburg, Freiburg 01.01.2018. DOI: 10.6094/heroicum/grand-homme