Druckversion

Körperlichkeit

Version 1.0
Zuletzt bearbeitet am
1. Einleitung

Helden sind körperliche Wesen, und nicht selten werden sie für die physischen Leistungen verehrt, die sie erbracht haben oder die ihnen zugeschrieben werden.1 Die Körperlichkeit ⟶heroischer Figuren ist daher ein wichtiger Bezugspunkt von ⟶Heroisierungen und steht im Zentrum zahlreicher Heldendarstellungen und -erzählungen. Grundsätzlich zu unterscheiden ist zwischen dem Körper bzw. der physis eines Helden im engeren Sinne und dem weiteren und dynamischeren Begriff der Körperlichkeit, der neben der Physis insbesondere Physiognomie, Mimik, Gestik und Bewegungen umfasst. Auch bestimmte Objekte und Attribute wie Kleidung, Schmuck, Insignien, Rüstungen und Prothesen können als Extensionen des Körpers zur Konstitution von Körperlichkeit beitragen. Heroische Qualitäten werden durch sie ‚verkörpert‘ und im Habitus inszeniert. Dieses weite Verständnis liegt den folgenden Überlegungen zu heroischer Körperlichkeit zugrunde.2

Die Körper heroischer Figuren verfügen über eine erhebliche kulturelle Präsenz. Dies liegt zum einen daran, dass sich mit ihnen Vorstellungen von Stärke, Schönheit, Leistungs- und Leidensfähigkeit, nicht selten auch von Jugendlichkeit und Maskulinität verbinden. Die Körperlichkeit heroischer Figuren fungiert als Vorbild und Projektionsfläche für kulturspezifische Ideale und Normen, die zum Teil weit über den Bereich des Heroischen hinausreichen. Zum anderen verdankt sich die Wirkmacht heroischer Körperlichkeit den zahlreichen künstlerischen Repräsentationen und ⟶medialen Manifestationen, durch die Heldenfiguren im öffentlichen Raum sichtbar werden und sich in das kollektive Gedächtnis einschreiben – vor allem in Bildern, Filmen und Skulpturen. Solche visuellen Heldendarstellungen weisen eine besonders starke Affinität zur heroischen Körperlichkeit auf, haben großen Anteil an ihrer Tradierung und ⟶Attraktionskraft.

In Übereinstimmung mit jüngeren kulturwissenschaftlichen Theorien wird im Folgenden Körperlichkeit nicht einfach als biologisch-materieller Fakt, sondern als Produkt sozialer und performativer Praktiken, insbesondere von künstlerischer Repräsentation und Inszenierung beschrieben. Damit wird die Körperlichkeit heroischer Figuren nicht als etwas Gegebenes aufgefasst, sondern als ein Phänomen, das sich im Prozess der Heroisierung und der Heldendarstellung konstituiert.

2. Systematik
2.1. Die Physis der Heldentat – der Held als körperliches Subjekt und Objekt

Zwar gibt es heroische Figuren, die gerade nicht für körperliche Heldentaten verehrt werden – etwa den grand homme3, den Geistes- und den Kulturhelden.4 Doch ist schon an den qualifizierenden Komposita abzulesen, dass es sich dabei um Ausnahmen handelt. In der Regel bilden physische Leistungen eine wichtige Voraussetzung und häufig auch einen Anlass für Heroisierungsprozesse. Vergegenwärtigt man sich die große Zahl an Kriegern, Märtyrern, Rettern und Sportlern, die als Helden verehrt wurden und werden, so wird deutlich, dass ⟶Heldentaten meist mit dem und durch den Körper erbracht werden oder zumindest eine wesentliche körperliche Komponente besitzen.

Schon aufklärerische Enzyklopädien definieren den Helden anhand seiner außergewöhnlichen körperlichen Ausstattung und Leistungsfähigkeit. Zedlers Universal-Lexicon von 1735 bestimmt den Helden als jemanden, „der von der Natur mit einer ansehnlichen Gestalt und ausnehmender Leibesstärcke begabet, durch tapffere Thaten Ruhm erlanget, und sich über den gemeinen Stand derer Menschen erhoben“ habe.5 Auch Johann Christoph Adelung erklärt, als Helden habe man ursprünglich „eine mit vorzüglicher Leibesstärke begabte Person“ bezeichnet, deren „Tapferkeit noch größten Theils in der Leibesstärke bestand“. Später sei jedoch die Erwartung hinzugekommen, dass der Held „einen pflichtmäßigen und für viele vorteilhaften Gebrauch“ von seiner Stärke machen solle.6 In solchen vormodernen Konzeptionen des Heroischen ist die enge Verbindung zwischen körperlicher Kondition und mutigem Charakter des Helden evident.7 Die physische Stärke des Helden erscheint als Voraussetzung für sein tapferes Agieren; aufgrund seiner körperlichen Konstitution kann der Held sich in gefährlichen Situationen beweisen.

Ein anderes Verständnis heroischer Körperlichkeit tritt dagegen in der Zeit des Ersten Weltkrieg zutage. Da selbst der körperlich trainierteste Soldat dem Feuer der modernen Kriegsmaschinen wenig entgegenzusetzen hatte, wurde physische und psychische Stärke stattdessen an der Fähigkeit zum ⟶Durchhalten und zum Ertragen von ⟶Gewalt bemessen. Heroisch handelte, wer sich der Gefahr von Verwundung, Verstümmelung oder Tod aussetzte. Ein Kennzeichen der heimkehrenden Soldaten war es, „sichtbar Opfer geworden zu sein, die Teilnahme am Krieg mit einem verletzten Körper oder einer beschädigten Psyche bezahlen zu müssen“.8 Die zu Kriegshelden erklärten Heimkehrer waren zum Objekt einer Gewalt geworden, die sich tief in ihre Körper einschrieb.

Die beiden historischen Beispiele markieren recht verschiedene Punkte auf einer Skala möglicher Relationen von Körperlichkeit und Heldentum. Sie zeigen, dass sich mindestens zwei Typen körperlicher Leistungen unterscheiden lassen, die ein besonderes Heroisierungspotential bergen:

1) Der Held als überlegenes Subjekt: Der Held zeichnet sich durch die außergewöhnliche Beherrschung und den effektiven Einsatz seines Körpers aus. So werden vor allem Figuren heroisiert, die dank ihrer Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit und ggf. durch das Ausüben von Gewalt als Sieger aus einer agonalen Situation hervorgehen. Dies gilt umso mehr, wenn die heroisierte Figur ihren Erfolg aus einer unterlegenen oder scheinbar aussichtslosen Situation heraus erringt. Dann konstituiert sich der Held im Vollzug seiner Tat als körperlich handelndes und handlungsfähiges Subjekt.

2) Der Held als erleidendes Objekt: Die heroische Tat des (er-)leidenden Helden besteht darin, den eigenen Körper zum Objekt fremder Gewalt zu machen, Schmerzen und ggf. den Tod zu erdulden. So werden Soldaten, Märtyrer und Retter unter anderem dafür verehrt, dass sie ‚Leib und Leben‘ riskieren oder sich opfern. Die Bereitschaft des Helden, Leid zu ertragen und die eigene körperliche Unversehrtheit aufs Spiel zu setzen, ist ein Element zahlreicher heroischer Narrative. Visuelle Darstellungen von Heldenfiguren fokussieren nicht selten Verwundungen, Narben und andere körperliche Spuren, die auf den agonalen Kampf des Helden verweisen und sein Leiden vor der Verehrergemeinschaft bezeugen.9

Diese Unterscheidung ist selbstverständlich als idealtypisch zu verstehen. In realen Heroisierungsprozessen überlagern sich oft beide Varianten der körperlich-heroischen Leistungszuschreibung, so z. B. im Fall des Sporthelden, der Anstrengungen und Schmerzen auf sich nimmt, um als triumphaler Sieger aus einem Wettkampf hervorzugehen. Nicht selten mag gerade der Umschlag vom erleidenden Objekt zum überlegenen Subjekt (oder umgekehrt) eine besondere Faszination ausüben und sich für Heroisierungen anbieten.

2.2. Idealisierung und Formierung

Körper sind Träger und Konstituenten sozialer Identität.10 Persönliche Merkmale wie Geschlecht, Alter, Fitness, Ethnie, Klassen- und Gruppenzugehörigkeiten manifestieren sich – nicht ausschließlich, aber auch – körperlich oder werden durch Akte körperlicher Performanz hervorgebracht. Die These Julia Reuters, dass menschliche Körper daher als „zentrale Seismographen gesellschaftlicher Ordnung wie Abweichung“ fungieren, kann für den Heldenkörper besondere Gültigkeit beanspruchen11: An den Körpern heroischer Figuren wird ablesbar, welche Identitätsmerkale in einer Gesellschaft als ideal angesehen werden und welche sozialen Normen und Hierarchien darauf aufbauen. Was Schönheit, Jugendlichkeit, Anmut, Athletik oder Stärke für eine Gemeinschaft bedeuten, wird u. a. an der Physis und Physiognomie ihrer jeweiligen Heldenfiguren sichtbar und verständlich. In vielen Fällen ‚verkörpern‘ Heldenfiguren diese Ideale geradezu, verleihen ihnen also eine ikonische Gestalt und ein wirkmächtiges Exemplum. Die heroischen Figuren zugeschriebene ‚Außer-Ordentlichkeit‘ umfasst somit nicht nur ihr Handeln und Denken, sondern erstreckt sich auch auf ihre Körper: Der heroische Körper repräsentiert eine positiv konnotierte, vorbildliche Abweichung von der Norm. Die Vorstellungen heroischer Körper variieren allerdings kulturell. So lassen sich sehr unterschiedliche Heldentypen identifizieren, die wesentlich über ihre körperliche Konstitution definiert sind, wie etwa der athletisch-maskuline Krieger, der ausdauernde Sportheld oder der jugendlich-schöne, unbefleckte Märtyrer.

Über seine Rolle als ‚Seismograph‘ sozialer Ordnung hinaus bildet der Heldenkörper auch ein „regulierendes Ideal“.12 Lassen sich mit Niklas Luhmann heroische Taten als ein „moralisch reguliertes Abweichen“ beschreiben, das zur Nachahmung aufruft, so lässt sich diese Beschreibung auf die Körper von Helden ausdehnen.13 Mit ihrer äußeren Erscheinung prägen heroische Figuren Vorstellungen von körperlicher Idealität und setzen soziale Normen. Durch ihre mediale Präsenz und „Visibilität“ (E. Goffman14) etablieren Heldenfiguren ein ‚Wunschbild‘, dem sich die Mitglieder der Gemeinschaft durch Techniken der (Selbst-)Disziplinierung15 und der Formierung (M. Foucault16), durch Habitus-Strategien (P. Bourdieu, N. Elias17) und Selbstinszenierungen (z. B. in Form einer imitatio heroica) annähern können. Sportliches und militärisches Training, Diäten und Askese, Prothesen und Body-Enhancements, Kleidung und Schmuck, die Performanz von Geschlecht und Status zählen zu den Praktiken der Formierung und Inszenierung, die es auch Nicht-Helden ermöglichen, ihre körperliche Erscheinung an ein heroisches Vorbild anzugleichen.

Die durch Heldenfiguren vermittelten Körperideale sind damit Teil einer sich selbst stabilisierenden und reproduzierenden Gesellschaftsordnung, die auch bestimmt, wer in Zukunft zu Helden avancieren kann. Die Wiedererkennbarkeit des heroischen Phänotyps hat darauf entscheidenden Einfluss: Ein körperliches Erscheinungsbild, das die Idealvorstellungen (z. B. im Hinblick auf Maskulinität oder Attraktivität) in hohem Maße erfüllt, ist zwar keine zwingende Voraussetzung für die erfolgreiche Heroisierung einer Person, erhöht die Chancen jedoch enorm. Umgekehrt gilt: Je weniger eine Figur den kulturellen Erwartungen an heroische Körperlichkeit entspricht, desto eher bedarf ihre Heroisierung einer besonderen Legitimation und Erklärung.

Ausnahmen bestätigen diese Regel, und gerade von Figuren, deren äußere Erscheinung deutlich von konventionellen Vorstellungen heroischer Körperlichkeit abweicht, kann ein starker ästhetischer Reiz ausgehen. Dieser Effekt lässt sich beispielsweise in frühneuzeitlichen Repräsentationen klassischer Heldinnen beobachten, deren Weiblichkeit betont und gegen die maskulinen Körper ihrer Gegenspieler kontrastiert wird – so in Caravaggios Darstellung der Judith (vgl. Abb. 1), die im Gegensatz zu anderen frühneuzeitlichen Repräsentationen (vgl. Abb. 2) die Femininität der Figur hervorhebt.

Die Diskurse des Heroischen und Idealisierungen des Körpers sind somit wechselseitig aufeinander bezogen, sie prägen und affirmieren einander. Dies umfasst immer auch spezifische Konfiguration von gender, race, age, fitness und class, die sich in den Heldenkörper einschreiben oder an ihm ausgehandelt werden. Der Blick auf die körperliche Konstitution gibt den Helden als eine intersektionale Figur zu erkennen, die zugleich als Regulator, Vorbild und Projektionsfläche für soziale Normen und Hierarchien fungiert.

2.3. Körper und Geist

Die Zuschreibung einer außergewöhnlichen körperlichen Konstitution oder Leistungsfähigkeit allein ist häufig noch keine hinreichende Bedingung für eine gelingende Heroisierung. Auch Aspekte des Geistes – etwa die dem Handelnden zugeschriebenen Intentionen, kognitiven und charakterlichen Eigenschaften – haben Einfluss auf den Erfolg einer Heroisierung. Welche Bedeutung geistige Qualitäten gegenüber der körperlichen Konstitution für die Bestimmung des Heroischen besitzen, ist historisch variabel, wie schon in den oben zitierten Heldendefinitionen aufklärerischer Enzyklopädien deutlich wurde.

Zudem sind solche Abwägungen zwischen körperbezogenen und mentalen Heroisierungskriterien nur vor dem Hintergrund eines breiteren Diskurses zu verstehen, der die ontologische Frage nach dem Wesen von Körper und Geist stellt. In welcher Weise Vorstellungen heroischer Körperlichkeit mit verschiedenen Antworten auf das Leib-Seele-Problem korrespondieren, kann hier nicht näher bestimmt werden. Ersichtlich ist jedoch, dass schon die bloße Abwägung zwischen körperlichen und geistigen Merkmalen des Heroischen in der Regel eine Form des Dualismus impliziert, d. h. der Auffassung von Körper und Geist als getrennten Entitäten, sei es im Hinblick auf ihre ontologische Substanz oder ihre Eigenschaften.18

Die ontologische Frage nach dem Verhältnis von Körper und Geist ist auch in Diskursen über das Heroische virulent.19 Verschiedene Gesellschaften relationieren in ihren Heldenkonzepten Körper und Geist auf unterschiedliche Weisen, doch lassen sich drei Grundmuster identifizieren:

Privilegierung des Geistes: Intellektuelle Leistungen und Tugendhaftigkeit werden als mindestens so heroisierungswürdig wahrgenommen wie körperlich-militärische Taten. Diese Position verdichtet sich etwa in aufklärerischen Konzepten des Geniekults, des Geisteshelden oder des grand homme.20

Interdependenz/Interaktion: Ein trainierter Körper und ein ausgebildeter Geist werden als gleichbedeutend für heroische Charaktere wahrgenommen. Beides steht in einem engen Wechselverhältnis. So galt etwa der „bürgerliche Heldenkörper“ am Ende des 18. Jahrhunderts als „Ausdrucksmedium innerer moralischer Qualitäten“, weshalb die „freie und ungehemmte Bildung des Körpers und des Geistes“ Hand in Hand geschehen sollte.21

Privilegierung des Körpers: Körperliche Leistungsfähigkeit und Opferbereitschaft gelten als bestimmende Merkmale heroischer Figuren. Eine Renaissance erlebte diese Haltung in modernen, militärisch orientierten Gesellschaften, in denen auf Kosten geistiger Bildung das Körpertraining in den Vordergrund gestellt wurde – bis hin zum „geistesverachtenden“, „stumpfsinnigen Körperfetischismus“ des Nationalsozialismus.22

Spätestens seit dem 20. Jahrhundert ist ein dominanter Diskurs nur noch schwer auszumachen, vielmehr koexistieren verschiedene Auffassungen heroischer Qualitäten und Körper in ausdifferenzierten sozialen Systemen und Kontexten. Während in Militär und Politik ein Körperkult des Heroischen praktiziert wurde und teilweise noch wird, interessierte sich die Psychologie vor allem für die charakterologischen Voraussetzungen heroischen Handelns und bemüht sich bis heute, den Helden als einen Persönlichkeitstypus zu bestimmen.23 In der naturwissenschaftlichen Forschung rückt die Frage nach der Körperlichkeit unter anderen Vorzeichen jedoch erneut in den Mittelpunkt: Neurobiologische Studien zu altruistischem Verhalten in lebensbedrohlichen Situationen zielen auf eine Beschreibung des „hero’s brain“, welche die dualistische Trennung von Körper und Geist überwindet.24

3. Repräsentation und Medialität

Physische Handlungen sind in vielen Fällen einfacher zu veranschaulichen als mentale Prozesse, und dies mag dazu beitragen, dass in medialen Repräsentationen heroischer Figuren häufig die Körperlichkeit in den Mittelpunkt rückt: Der Held erscheint als Akteur mit einer besonderen körperlichen Konstitution und physischen agency, seine Heldentat primär als körperliche Leistung. Insbesondere in den Bildenden Künsten, in Filmen und Computerspielen, aber auch in der Literatur wird die Körperlichkeit von Heldenfiguren auf diese Weise exponiert und inszeniert. Dafür mag es je nach Darstellungskontext verschiedene Gründe geben, darunter die Affektwirkung, die von Körperdarstellungen ausgeht; die Möglichkeiten, den heroischen Charakter auf das äußere Erscheinungsbild zu projizieren; die Vermittlung leiblicher Erfahrung; und die hohe ‚Visibilität‘ und kulturprägende Wirkung von Heldenkörpern. Diese Funktionen der Repräsentation und Inszenierung heroischer Köperlichkeit werden im Folgenden diskutiert.

3.1. Die affektive Wirkung heroischer Körperlichkeit

Wenn Heldendarstellungen den physischen Aspekt des Gezeigten betonen oder ganz den Körper des Helden fokussieren, kann davon eine stark affizierende, den Effekt der Heroisierung steigernde Wirkung ausgehen. Denn die besonderen Qualitäten einer Heldentat, insbesondere ihre Exzeptionalität, Agonalität und Transgressivität, erhalten im Heldenkörper eine materielle Gestalt und werden für die Betrachter anschaulich und erfahrbar.

Zu den künstlerischen und ästhetischen Mitteln, heroische Körperlichkeit effektvoll in Szene zu setzen, zählen heroische Gesten, Posen und Pathosformeln. Sie erlauben es, die komplexen Bedeutungsebenen einer Heroisierung in der konkreten, körperlichen Erscheinung des Helden zu verdichten. In den westlichen Kulturen gibt es ein großes Repertoire solch hochgradig konventionalisierter und affizierender Repräsentationsformeln, deren Bandbreite von triumphalen Siegerposen über dynamische Kampfchoreographien bis zur Darstellung des zusammenbrechenden, tödlich verwundeten Helden reicht. Dabei muss die (nackte) Physis des Helden nicht immer im Fokus stehen. Andere Marker der Körperlichkeit wie Mimik und Gestik können gleichermaßen heroische Semantiken aufrufen. Instruktive Beispiele dafür liefern z. B. islamische Kulturen, die, wenn überhaupt, nur das Zeigen verhüllter Körper zulassen, dafür aber der Darstellung von Physiognomie und Gesichtsausdrücken große Bedeutung zumessen (vgl. Abb. 3).

Modernes Bildnis des Imams ʿAlī b. Abī Ṭālib
Modernes Bildnis des Imams ʿAlī b. Abī Ṭālib

Isfahan, Mausoleum des Imāmzāde Šāh-e Zaid. Der erste Imam ʿAlī b. Abī Ṭālib wurde 661 in Kufa erdolcht und wird im schiitischen Islam bis heute verehrt. Die Darstellung fokussiert sein Gesicht, das mit faltenloser Haut und grauem Bart alterslos wirkt. Der aufgerichtete Blick und der Strahlenkranz betonen seinen heroischen Status. Unter ihm ist sein Schwert Dhū l-faqār abgebildet, die Bildüberschrift bemerkt dazu: „Kein Schwert ist wie Dhū l-faqār, kein Mann ist wie ʿAlī“. (Übersetzung von Olmo Gölz, dem ich für den Hinweis auf die Darstellung ʿAlīs danke.)
Quelle: publiziert in Newid, Mehr Ali: Der schiitische Islam in Bildern. Rituale und Heilige. München 2006: Avicenna, 184.
Lizenz: Zitat nach § 51 UrhG

Eine erhebliche Affektwirkung entfaltet insbesondere das demonstrative Zeigen jener physischen Spuren, die der agonale Kampf und das heroische Opfer im Körper von Helden hinterlassen. Beliebte Motive heroisierender Darstellungen sind etwa die Erschöpfung, die Verwundungen und die Narben, die Helden aus ihrem Kampf oder Martyrium davongetragen haben (vgl. Abb. 4).25 Exponiert werden auch die Leichen von Heldenfiguren, deren tote Körper zum Symbol für das geleistete Opfer werden. Solche ‚Körperspuren‘ verweisen nicht einfach auf das heroische Handeln und Leiden, sondern geben den Helden als verletzlichen, sterblichen Menschen zu erkennen und regen damit die Rezipienten zu empathischer Nähe und Identifikation an.

Heroisierende Darstellung des verwundeten Theodor Körner
Heroisierende Darstellung des verwundeten Theodor Körner

Feldpostkarte von 1913. Beschriftung: „Körner’s Abschied vom Leben. Die Wunde brennt, / Die bleichen Lippen beben.“ Im Bild monogrammiert: O. H. Verso: Signet: PFB [Paul Fink, Kunstanstalt, Berlin]. Gelaufen. Poststempel 1915. Zensurierte Feldpostkarte. – O.H. wahrscheinlich Otto Heichert (1868–1946).
Quelle: Goethezeitportal
Lizenz: Nicht-kommerzielle Nutzung gestattet (vgl. Ende der verlinkten Seite)

3.2. Die Projektion des heroischen Charakters auf die körperliche Erscheinung

In künstlerischen Darstellungen wird heroischen Figuren in der Regel ein körperliches Erscheinungsbild verliehen, das ihre inneren Qualitäten widerspiegeln soll. Physische und physiognomische Merkmale wie ein athletischer Körperbau, aufrechter Gang und strahlende Augen verweisen auf den heroischen Charakter des Dargestellten. Durch die Ausschmückung des Körpers mit Attributen wie Kleidung, Insignien, ⟶Lorbeerkränzen, Helmzierden, Muttermalen, Stigmata oder Tätowierungen werden Abstammung, Macht oder Geschichte einer Figur symbolisch verbürgt. Für den Betrachter ist durch solche – wiederum kulturspezifischen – Repräsentationstechniken der heroische Status einer Figur schon an der körperlichen Inszenierung erkennbar. Doch neben konventionalisierten Symbolen und Codierungen kann ganz allgemein die Hervorhebung von Stärke und Schönheit dazu dienen, den Helden als eine exzeptionelle Figur zu markieren, die sich durch besondere charakterliche Qualitäten wie Mut, Tapferkeit, moralische Standfestigkeit oder Tugendhaftigkeit auszeichnet.

3.3. Die Vermittlung leiblicher Erfahrung

Die Darstellung heroischer Körper soll den Betrachtern nicht nur Rückschlüsse auf den Charakter der gezeigten Figur gewähren, sondern auch eine Teilhabe an der ‚leiblichen Erfahrung‘ des Helden provozieren. Der phänomenologische Begriff der ‚Leiblichkeit‘ meint dabei das subjektive Erlebnis des eigenen Körpers im Hier und Jetzt.26 So sind Ekstase, Anstrengung, Schmerzen oder Leiden eines Helden leibliche Erfahrungen, die nicht direkt sichtbar sind, aber indirekt anhand äußerer Körperzeichen repräsentiert werden können – sei es etwa durch den entrückten Blick des Helden, sein schweres Atmen oder seine leidvoll verzerrte Mimik. Solche körperlichen Manifestationen leiblicher Erfahrung haben einen wichtigen vermittelnden Effekt: Sie ermöglichen es den Betrachtenden, das dargestellte Geschehen aus der Innenperspektive des Helden nachzuvollziehen. Eine Funktion dieser ‚vermittelten Leiblichkeit‘ kann es sein, eine Nähe-Verhältnis zum Helden zu schaffen: Publikum und Verehrende versetzen sich in den Helden hinein, erkennen ihn als fühlenden und leidenden Menschen und identifizieren sich mit ihm.

Allerdings kann die Darstellung von Schmerzen, Leid oder Verwundung auch ambivalente Rezeptionseffekte auslösen: In einigen Fällen stützen sie die Legitimität einer Heroisierung, indem sie das Opfer (sacrifice) des Helden anschaulich und nachvollziehbar machen; in anderen Fällen jedoch führen sie zur ⟶Deheroisierung der Figur. So kann zum Beispiel der Ausdruck von Leid als weinerlich, ‚unmännlich‘ oder ‚unheroisch‘ wahrgenommen werden. Ebenso können bestimmte Verletzungen eine deheroisierende Wirkung entfalten, so etwa in Ernst Tollers Erster-Weltkriegs-Drama Hinkemann (1923), in dem der Protagonist ironischerweise durch einen „Heldenschuß“ kastriert wird, der den ehemaligen Soldaten nicht nur anatomisch, sondern auch symbolisch seiner Männlichkeit beraubt.27 Offensichtlich hat das Framing – d. h. die spezifische Art und Weise, wie bestimmte Körperzeichen und Leibeserfahrungen repräsentiert und inszeniert werden – entscheidenden Einfluss auf die (de-)heroisierende Wirkung. Theoretisch erfassen lässt sich das Kippmoment des versehrten Körpers, der je nach Wahrnehmung zur Heroisierung oder Deheroisierung führen kann, mit Erving Goffmans Konzepten ‚Stigma‘ und ‚Visibilität‘, die im Folgenden beschrieben werden.

3.4. ‚Stigmatisierung‘ und ‚Visibilität‘

In Heldendarstellungen wird Verborgenes (Identität, Charakter, leibliche Erfahrung) körperlich wahrnehmbar gemacht, und zugleich genießen Heldenkörper in vielen Kulturen eine große Präsenz und daher hohe Sichtbarkeit. Aufgrund dieses doppelten Potentials bietet sich die Körperlichkeit des Heroischen in besonderer Weise dafür an, gesellschaftliche Normen und Werte an ihr zu verhandeln.28

Einen Erklärungsansatz für diesen wechselseitigen Zusammenhang von heroischer Körperlichkeit und kulturellen Idealisierungen bieten Erving Goffmans devianzsoziologische Begriffe der ‚Stigmatisierung‘ und der ‚Visibilität‘.29 Goffman argumentiert, menschliche Körper verfügten über ein eigenes Handlungspotential und eine „kommunikative Selbsttätigkeit“.30 Schon aufgrund ihrer Sichtbarkeit (visibility) und Präsenz wirkten Körper als selbstständige Agenten in sozialer Interaktion. Sie kommunizierten Informationen über die Identität ihres Trägers, z. B. über seinen sozialen Status und die Gesundheit, aber auch über seine Gedanken oder politischen Einstellungen. Auf diese körperlichen Signale reagieren die Interaktionspartner bewusst oder unwillkürlich. Goffmans Interesse gilt dabei vor allem körperlichen ‚Stigmatisierungen‘, d. h. den negativ bewerteten Abweichungen von der erwarteten Norm, die zur Diskreditierung und sozialen Randständigkeit von Personen führen – bspw. Behinderungen, Krankheiten, sexuelle Orientierungen oder ethnische Zugehörigkeiten. Um der sozialen Ausgrenzung zu entgehen, entwickelten stigmatisierte Personen Techniken der gezielten „Verbergung“ ihrer Stigmata (das sog. stigma management).31

Die Repräsentation heroischer Körperlichkeit, so ließe sich im Anschluss an Goffman formulieren, bildet zuweilen ein positives Pendant zur Stigmatisierung: Werden etwa die Körper von Helden als außergewöhnlich schön, maskulin oder athletisch inszeniert, so kann dies eine erwünschte und erstrebenswerte Abweichungen von der Norm markieren. Stigmatisierende Wunden und Verletzungen, die bei einer anderen Person zur Ausgrenzung führen würden, können im Falle heroischer Figuren als Symbole der Opferbereitschaft interpretiert werden, die ihre Wirkung auf die Verehrergemeinschaft nicht verfehlen. In ähnlichem Sinne bemerkt Wolfgang Lipp, „daß Prozesse, die zur Ausbildung charismatischer Qualitäten führen, ursprünglich in Stigmatisierung wurzeln und erst von hier aus in die eigene, spezifische Extremform umschlagen können. Charisma […] setzt Stigmatisierung voraus.“32

Anders als im Falle von Stigmatisierungen geht es Gemeinschaften daher auch nicht um die Verbergung, sondern gerade um die ‚Sichtbarmachung‘ heroischer Körper. Daran haben Heldendarstellungen großen Anteil, indem sie heroische Figuren in alle Sphären des sozialen Raums und des kulturellen Gedächtnisses tragen und ihnen enorme Visibilität verleihen. Durch die Repräsentation aber wird ein Heldenkörper nicht nur medial vervielfacht und überall sichtbar, er löst sich auch von seinem ursprünglichen, realen Vorbild. Das ermöglicht es den Darstellenden, die Wirkung des Körpers auf das Publikum zu steuern, etwa indem seine positiven Merkmale hervorgehoben, negative unterdrückt oder ganz neue Eigenschaften hinzugefügt werden. Heroische Körper werden so zur Projektionsfläche für kulturelle Idealvorstellungen und und tragen mittels ihrer großen medialen Visibilität selbst zu Idealisierung bestimmter Körperbilder bei.

4. Forschungsperspektiven

In der jüngeren kulturwissenschaftlichen und soziologischen Forschung wurde dem Körper verstärke Aufmerksamkeit geschenkt.33 Dagegen mangelt es an Studien, die den Zusammenhang zwischen Körperlichkeit und Heroik systematisch in den Blick nehmen. So ist bislang nicht untersucht, welche Rolle konkrete, anschauliche und erfahrbare menschliche Körper in Heroisierungsprozessen einnehmen. Umgekehrt bleibt offen, welche Bedeutung heroische Figuren und ihre Darstellung für die kulturelle Etablierung und Tradierung von Körperidealen haben. Diesbezüglich ist auch nach medienspezifischen Unterschieden z. B. zwischen Bildenden Künsten, Literatur und Film zu fragen. Auch die Rolle der Räumlichkeit und Materialität von Heldendarstellungem in der sozialen Interaktion, etwa im Hinblick auf Berührung, Distanzwahrung und Positionierung im Raum ist weitgehend unerforscht.

Zu den historischen Entwicklungen und Konjunkturen heroisch-idealer Körperbilder existieren wenige Untersuchungen, die zudem auf enge Zeit- und Kulturräume beschränkt bleiben. Für das europäische 18. bis 20. Jahrhundert hat George Mosse die einflussreiche Studie The Image of Man (1996) vorgelegt, in der er die Genese des westlich-neuzeitlichen Männlichkeitsideals auf Vorbilder aus der griechischen Antike zurückführt.34 Vor allem die Popularisierung von Skulpturen griechischer Heroen durch Winckelmann und seine Zeitgenossen habe, so Mosse, im 18. Jahrhundert eine neue Konjunktur des wohlproportionierten, athletisch-muskulösen, stark typisierten Körpers angeregt. In der wiedererlangten Sichtbarkeit griechischer Skulpturen wie dem Apollo von Belvedere und der Laokoon-Gruppe liege ein wesentlicher Grund für die enge Verschränkung von Heroischem, Körperlichkeit und Maskulinität, die seit der Aufklärung fortwirkt.35 Auf einen fruchtbaren Boden sei dieses Ideal in den um 1800 entstehenden Turnvereinen gefallen: Mosse beschreibt das Turnen als eine neue Körperpraxis, mit der sich ideale athletische Körper überhaupt erst produzieren ließen. Die im Turnen begonnene Normierung und Formierung des Körpers setzte sich in der militärischen Ausbildungspraxis des 19. Jahrhunderts fort, in der die von Turnvätern wie Johann C. F. GutsMuths und Friedrich Ludwig Jahn entwickelten Übungen bald aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. So habe, wie Mosse argumentiert, der neue Typus des trainierten, maskulinen Körpers in den Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts eine heroisch-patriotische Aufladung erfahren: Es wurde zur Aufgabe der Soldaten, sich körperlich auf den Kampf für die Nation vorzubereiten, um Leib und Leben schließlich auf dem Schlachtfeld zu riskieren oder zu opfern.36

In ähnlicher Stoßrichtung wie Mosse hat Réne Schilling hat am Beispiel bedeutender militärischer Heldenfiguren nachgezeichnet, wie sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts das Verhältnis von Körper und Geist zunehmend in Richtung des Körpers verschob, um schließlich im Nationalsozialismus in einem regelrechten Körperfetischismus zu münden.37 Mit dem wachsenden militärischen Körperkult veränderte sich in Deutschland auch der erstrebte Phänotyp des heroischen Körpers. Bloße Maskulinität reichte als Marker des Heroischen nicht länger aus, auch die Gesundheit des Körpers und die ethnische Zuordnung wurde entscheidend. Deutlich ist dies in den Heldendarstellungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in denen nordische Typen zu dominieren begannen und Nationalhelden wie Theodor Körner und Friedrich Friesen wider die historischen Tatsachen mit blonden Haaren und blauen Augen gezeigt wurden.38

5. Einzelnachweise
  • 1 .
    Der vorliegende Beitrag verdankt sich in großen Teilen den Diskussionen und Anregungen des Sonderforschungsbereichs 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“, insbesondere im Rahmen der Verbundarbeitsgruppe „Synthesen“.
  • 2 .
    Wir folgen damit dem weiten Begriff der Körperlichkeit, auf dem auch das Handbuch Körpersoziologie aufbaut; vgl. Gugutzer, Robert / Klein, Gabriele / Meuser, Michael (Hg.): Handbuch Körpersoziologie. 2 Bände. Wiesbaden 2017: Springer.
  • 3 .
    Marquart, Benjamin: „Grand homme“. In: Compendium heroicum. Hg. von Ronald G. Asch, Achim Aurnhammer, Georg Feitscher und Anna Schreurs-Morét, publiziert vom Sonderforschungsbereich 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ der Universität Freiburg, Freiburg 01.01.2018. DOI: 10.6094/heroicum/grand-homme
  • 4 .
    Vgl. Andronikashvili, Zaal / Maisuradze, Giorgi / Schwartz, Matthias / Thun-Hohenstein, Franziska (Hg.): Kulturheros. Genealogien. Konstellationen. Praktiken. Berlin 2017: Kadmos
  • 5 .
    Anonymus: „Held“. In: Zedlers Universal-Lexicon. Band 12. Leipzig 1735, Sp. 1214-1215. Online unter: https://www.zedler-lexikon.de/index.html?c=blaettern&id=121403&bandnummer=12&seitenzahl=0630&supplement=0&dateiformat=1%27 (Zugriff am 07.03.2019).
  • 6 .
    Adelung, Johann Christoph: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen. Zweyte, vermehrte und verbesserte Ausgabe. Band 2. Leipzig 1793–1801, Sp. 1094-1095, 1094. Online unter: https://lexika.digitale-sammlungen.de/adelung/gehezuseite/bsb00009132?page=1094 (Zugriff am 07.03.2019).
  • 7 .
    Vgl. hierzu sowie zu den vorhergehenden Zitaten aus aufklärerischen Lexika Albrecht, Andrea: „‚Helden der Wissenschaft‘. Formen und Funktionen der Heroisierung des Gelehrten“. In: Andronikashvili, Zaal / Maisuradze, Giorgi / Schwartz, Matthias / Thun-Hohenstein, Franziska (Hg.): Kulturheros. Genealogien. Konstellationen. Praktiken. Berlin 2017: Kadmos, 110-135, 112-113.
  • 8 .
    Leonhard, Jörn: „Helden als Opfer, Opfer als Helden. Eine Armprothese aus dem Ersten Weltkrieg“. In: Aurnhammer, Achim / Bröckling, Ulrich (Hg.): Vom Weihegefäß zur Drohne. Kulturen des Heroischen und ihre Objekte. Würzburg 2016: Ergon, 239-252, 239.
  • 9 .
    Vgl. Abschnitt 3.1. „Die affektive Wirkung heroischer Körperlichkeit“.
  • 10 .
    Vgl. Liebsch, Katharina: „Identität“. In: Gugutzer, Robert / Klein, Gabriele / Meuser, Michael (Hg.): Handbuch Körpersoziologie. Band 1: Grundbegriffe und theoretische Perspektiven. Wiesbaden 2017: Springer VS, 39-43.
  • 11 .
    Reuter, Julia: „Der Körper als Seismograph gesellschaftlicher (Un-)Ordnung“. In: Julia Reuter: Geschlecht und Körper. Studien zur Materialität und Inszenierung gesellschaftlicher Wirklichkeit. Bielefeld 2011: Transcript, 65-83, 65.
  • 12 .
    Reuter: „Der Körper als Seismograph gesellschaftlicher (Un-)Ordnung“, 2011, 68, Fußnote 3.
  • 13 .
    Luhmann, Niklas: „Die Autopoiesis des Bewußtseins“. In: Luhmann, Niklas: Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch. 3. Auflage. Wiesbaden 2008: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 55-108, 86. Vgl. dazu auch den Artikel „Antihelden“ im Compendium heroicum.
  • 14 .
    Zum Begriff der ‚Visibilität‘ bzw. visibility siehe Goffman, Erving: Stigma. Notes on the Management of Spoiled Identity. New York 1991 [1963]: Simon & Schuster, 48-51; vgl. auch Reuter: „Der Körper als Seismograph gesellschaftlicher (Un-)Ordnung“, 2011, 76.
  • 15 .
    Vgl. Sobiech, Gabriele: „Disziplin“. In: Gugutzer, Robert / Klein, Gabriele / Meuser, Michael (Hg.): Handbuch Körpersoziologie. Band 1: Grundbegriffe und theoretische Perspektiven. Wiesbaden 2017: Springer VS, 15-20.
  • 16 .
    Vgl. z. B. Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Aus dem Französischen übersetzt von Walter Seitter. Frankfurt a. M. 2008: Suhrkamp, besonders Kapitel III, 173-292; vgl. auch Reuter: „Der Körper als Seismograph gesellschaftlicher (Un-)Ordnung“, 2011, 73.
  • 17 .
    Bourdieu, Pierre: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt a. M. 2012: Suhrkamp; Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation. Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation. Frankfurt a. M. 2010: Suhrkamp. Siehe auch Gebauer, Gunter: „Habitus“. In: Gugutzer, Robert / Klein, Gabriele / Meuser, Michael (Hg.): Handbuch Körpersoziologie. Band 1: Grundbegriffe und theoretische Perspektiven. Wiesbaden 2017: Springer VS, 27–32.
  • 18 .
    Die Literatur zum Leib-Seele-Problem und spezifischen Lösungsversuchen wie dem Substanzdualismus und Eigenschaftsdualismus ist umfangreich, hingewiesen sei hier nur auf die Überblicksdarstellungen von Lowe, E. J.: „Dualism“. In: Beckermann, Ansgar / McLaughlin, Brian P. / Walter, Sven (Hg.): The Oxford Handbook of Philosophy of Mind. Oxford 2011: Clarendon, 66-84. DOI: 10.1093/oxfordhb/9780199262618.003.0004; Robinson, Howard: „Dualism“. In: Zalta, Edward N.(Hg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy. (Ausgabe Herbst 2017.) Online unter: https://plato.stanford.edu/archives/fall2017/entries/dualism/ (Zugriff am 07.03.2019).
  • 19 .
    Zum Verhältnis von Körperlichkeit, Geist und Heroismus vgl. Schilling, René: „Der Körper des ‚Helden‘. Deutschland 1813–1945“. In: Bielefelder Graduiertenkolleg Sozialgeschichte (Hg.): Körper macht Geschichte – Geschichte macht Körper. Körpergeschichte als Sozialgeschichte. Bielefeld 1999: Verlag für Regionalgeschichte, 119-140.
  • 20 .
    Vgl. Vgl. Marquart: „Grand homme“, 2018.
  • 21 .
    Schilling: „Der Körper des ‚Helden‘“, 1999, 122 u. 126.
  • 22 .
    Schilling: „Der Körper des ‚Helden‘“, 1999, 120.
  • 23 .
    Vgl. etwa die Anfänge der psychologischen Perspektivierung des Helden bei Rank, Otto: Der Mythos von der Geburt des Helden. Versuch einer psychologischen Mythendeutung. Leipzig 1909: Deuticke; sowie in jüngerer Zeit Midlarsky Elizabeth / Fagin Jones, Stephanie / Corley, Robin P.: „Personality Correlates of Heroic Rescue During the Holocaust“. In: Journal of Personality 73.4 (2005), 907-934. DOI: 10.1111/j.1467-6494.2005.00333.x; Allison, Scott T. / Goethals, George R.: „Hero Worship. The Elevation of the Human Spirit“. In: Journal for the Theory of Social Behaviour 46.2 2016, 187-210. DOI: 10.1111/jtsb.12094.
  • 24 .
    Zanon, Marco et al.: „Brain activity and prosocial behavior in a simulated life-threatening situation“. In: Neuroimage 98 (2014), 134-146. DOI: 10.1016/j.neuroimage.2014.04.053.
  • 25 .
    Vgl. Kerth, Sonja: „Versehrte Körper – vernarbte Seelen. Konstruktionen kriegerischer Männlichkeit in der späten Heldendichtung“. In: Zeitschrift für Germanistik 12.2 (2002), 262-274; sowie Leonhard: „Helden als Opfer, Opfer als Helden“, 2016.
  • 26 .
    Vgl. Lindemann, Gesa: „Leiblichkeit“. In: Gugutzer, Robert / Klein, Gabriele / Meuser, Michael (Hg.): Handbuch Körpersoziologie. Band 1: Grundbegriffe und theoretische Perspektiven. Wiesbaden 2017: Springer VS, 57-66.
  • 27 .
    Toller, Ernst: „Hinkemann. Eine Tragödie in drei Akten. Geschrieben 1921/1922 im Festungsgefängnis Niederschönenfeld“. In: Toller, Ernst: Ausgewählte Schriften. Hg. von der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin. Berlin 1959: Volk und Welt, 167-219, 173. Der Hinweis darauf verdankt sich Isabell Oberle.
  • 28 .
    So können Heldendarstellungen, wie oben erläutert, kulturelle Ideale prägen und zugleich selbst zur Projektionsfläche für diese Ideale werden. Vgl. Abschnitt 2.2. „Idealisierung und Formierung“.
  • 29 .
    Goffman: Stigma, 1991 [1963], besonders 1-9 u. 48-51; vgl. dazu Lipp, Wolfgang: Stigma und Charisma. Über soziales Grenzverhalten. Würzburg 2010: Ergon, 60-67.
  • 30 .
    Reuter: „Der Körper als Seismograph gesellschaftlicher (Un-)Ordnung 2011“, 79.
  • 31 .
    Goffman: Stigma, 1991 [1963], 91–104; vgl. auch Reuter: „Der Körper als Seismograph gesellschaftlicher (Un-)Ordnung 2011“, 77–78.
  • 32 .
    Lipp: Stigma und Charisma, 2010, 66.
  • 33 .
    Vgl. etwa die oben zitierten Werke von Foucault: Überwachen und Strafen, 2008 [1975]; Bourdieu: Die feinen Unterschiede, 2012 [1979]; Goffman: Stigma, 1991 [1963]; Butler, Judith: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Frankfurt a. M. 1997: Suhrkamp; aber auch Gugutzer et al: Handbuch Körpersoziologie, 2017.
  • 34 .
    Mosse, George L.: The Image of Man. The Creation of Modern Masculinity. New York 1996: Oxford University Press. Zur Kritik an Mosses Thesen vgl. Frevert, Ute: „Das maskuline Stereotyp. George L. Mosse entwirft ein allzu statisches Bild des Mannes“. In: DIE ZEIT 26/1997 (20. Juni 1997). Online unter: https://www.zeit.de/1997/26/Das_maskuline_Stereotyp (Zugriff am 23.07.2019).
  • 35 .
    Mosse: The Image of Man 1996, 29-39.
  • 36 .
    Mosse: The Image of Man, 1996, 51-53, 107-132.
  • 37 .
    Schilling: „Der Körper des ‚Helden‘“, 1999.
  • 38 .
    Vgl. Schilling: „Der Körper des ‚Helden‘“, 1999, 134–136.
6. Ausgewählte Literatur
  • Bourdieu, Pierre: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt a. M. 2012: Suhrkamp.

  • Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Aus dem Französischen übersetzt von Walter Seitter. Frankfurt a. M. 2008: Suhrkamp.

  • Goffman, Erving: Stigma. Notes on the Management of Spoiled Identity. New York 1991 [1963]: Simon & Schuster.

  • Gugutzer, Robert / Klein, Gabriele / Meuser, Michael (Hg.): Handbuch Körpersoziologie. 2 Bände. Wiesbaden 2017: Springer.

  • Kerth, Sonja: „Versehrte Körper – vernarbte Seelen. Konstruktionen kriegerischer Männlichkeit in der späten Heldendichtung“. In: Zeitschrift für Germanistik 12.2 (2002), 262-274.

  • Leonhard, Jörn: „Helden als Opfer, Opfer als Helden. Eine Armprothese aus dem Ersten Weltkrieg“. In: Aurnhammer, Achim / Bröckling, Ulrich (Hg.): Vom Weihegefäß zur Drohne. Kulturen des Heroischen und ihre Objekte. Würzburg 2016: Ergon, 239-252.

  • Lipp, Wolfgang: Stigma und Charisma. Über soziales Grenzverhalten. Würzburg 2010: Ergon.

  • Mosse, George L.: The Image of Man. The Creation of Modern Masculinity. New York 1996: Oxford University Press.

  • Reuter, Julia: „Der Körper als Seismograph gesellschaftlicher (Un-)Ordnung“. In: Julia Reuter: Geschlecht und Körper. Studien zur Materialität und Inszenierung gesellschaftlicher Wirklichkeit. Bielefeld 2011: Transcript, 65-83.

  • Schilling, René: „Der Körper des ‚Helden‘. Deutschland 1813–1945“. In: Bielefelder Graduiertenkolleg Sozialgeschichte (Hg.): Körper macht Geschichte – Geschichte macht Körper. Körpergeschichte als Sozialgeschichte. Bielefeld 1999: Verlag für Regionalgeschichte, 119-140.

7. Abbildungsnachweise

Abb. 1: Caravaggio: Judith und Holofernes, 1598–1599, Öl auf Leinwand, 145 cm × 195 cm, Galleria Nazionale d’Arte Antica, Palazzo Barberini, Rom.
Quelle: User:Latif86 / Wikimedia Commons
Lizenz: Public domain

Abb. 2 & Teaserbild: Johann Liss: Judith mit dem Haupt des Holofernes, 1. Drittel 17. Jahrhundert, Öl auf Leinwand, 126 cm × 102 cm, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 2324.
Quelle: Kunsthistorisches Museum Wien
Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA 4.0

Abb. 3: Modernes Bildnis des Imams ʿAlī b. Abī Ṭālib, Isfahan, Mausoleum des Imāmzāde Šāh-e Zaid.
Quelle: publiziert in Newid, Mehr Ali: Der schiitische Islam in Bildern. Rituale und Heilige. München 2006: Avicenna, 184.
Lizenz: Zitat nach § 51 UrhG

Abb. 4: Heroisierende Darstellung des verwundeten Theodor Körner. Feldpostkarte von 1913. Beschriftung: „Körner’s Abschied vom Leben. Die Wunde brennt, / Die bleichen Lippen beben.“ Im Bild monogrammiert: O. H. Verso: Signet: PFB [Paul Fink, Kunstanstalt, Berlin]. Gelaufen. Poststempel 1915. Zensurierte Feldpostkarte. – O.H. wahrscheinlich Otto Heichert (1868–1946).
Quelle: Goethezeitportal
Lizenz: Nicht-kommerzielle Nutzung gestattet (vgl. Ende der verlinkten Seite)

Zitierweise

Feitscher, Georg: „Körperlichkeit“. In: Compendium heroicum. Hg. von Ronald G. Asch, Achim Aurnhammer, Georg Feitscher und Anna Schreurs-Morét, publiziert vom Sonderforschungsbereich 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ der Universität Freiburg, Freiburg 01.08.2019. DOI: 10.6094/heroicum/kd1.0.20190801