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Genie (Nietzsche)

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1. Einleitung

Friedrich Nietzsche (1844–1900) gilt als Denker herausragender Individualität. Das von ihm projektierte philosophische und politische Individuum soll die Masse der Menschen in den Schatten stellen, für seine ureigenste Sache kämpfen und alle Grenzen hinter sich lassen; es soll – auch wenn es zur Hauptsache nur denkt – möglichst weltgeschichtliche Wirkungsmacht entfalten und als solches vorbildlich sein. Das Motiv herausragender Individualität begleitet Nietzsche seinen gesamten Denkweg lang, so mäandrierend dieser Weg sonst auch gewesen sein mag. Das Genie, wie Nietzsche es vor Augen stellt und dem er viele Namen gibt, ist einerseits romantisches Erbe, andererseits soll sich in ihm die Zukunft der Menschheit verkörpern. Schließlich werden in der Nietzsche-Rezeption ⟶Held und Genie verschmolzen und mit ihm selbst, dem angeblich tragisch denkenden und tragisch lebenden Denker Friedrich Nietzsche, umstandslos identifiziert. Sich von Nietzsche-Heroisierungen frei zu machen, war in jüngerer Zeit ein mitunter schmerzlicher Prozess, den die kritische Forschung zu durchlaufen hatte.

2. Frühwerk

Nietzsches Frühwerk steht im Banne des Genies.1 Seinen Begriff von Genie bezieht der junge Altphilologe von Schopenhauer.2 Diese Orientierung besteht zunächst darin, die Kunst der Wissenschaft überzuordnen. Denn in der Kunst ist nach Schopenhauer eine wenigstens zeitweilige Befreiung vom Sklavendienst des Willens möglich. Dem Genie – der großen Masse von Menschen, der Fabrikware der Natur, gegenübergestellt – kommt hierbei eine Erlöserfunktion zu. Seine intuitive Einsicht in die Natur des Willens entbindet den genialen Künstler und sekundär die Rezipienten seiner Kunstprodukte vom Drängen des Willens. Zunächst einmal macht Nietzsche diese Vorgabe für sein eigenes Fach, die Philologie, nutzbar und entfernt sich damit zugleich von der streng-wissenschaftlichen Schule seines Lehrers Friedrich Ritschl.3 Philologie wird zur Kunst oder doch wenigstens zur Ermöglicherin von Kunst, der Philologe damit zu einer paragenialen Figur: Er gilt als „idealer Lehrer“ und als „Mittler zwischen den großen Genien u. den neuen werdenden Genien, zwischen der großen Vergangenheit u. der Zukunft“.4

Aber das eigentliche Genie findet Nietzsche zunächst nicht in sich selbst, sondern in Richard Wagner. An Carl von Gersdorff schreibt er am 4. August 1869, Wagner erscheine ihm als Inkarnation „dessen, was Schopenhauer ‚das Genie‘ nennt“ (KSB 3, Nr. 19, 35).5 Seine eigentliche Genie-Konzeption entwickelt er dann am Modell Wagners und im Banne Schopenhauerscher Metaphysik in seinem ersten philosophischen Buch, das sich zugleich als Abschiedswerk von der Philologie und vom Glauben an die Genie-ermöglichende Kraft dieser Disziplin erweisen sollte, in der Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik von 1872. Dort erscheint das Genie als großer Künstler, der selbst wiederum ein Kunstwerk der Natur ist. Durch die Hervorbringung des Genies rechtfertigt die Natur sich selbst; das Genie gibt der Natur und der Geschichte ihren Sinn, wo sonst im grausigen dionysischen Urgrund aller Dinge eigentlich nur Sinnwidrigkeit waltet. Ein Hauptcharakteristikum dieses Genies ist es, intuitive Einsicht in diesen dionysischen Urgrund gewonnen zu haben und diese Einsicht künstlerisch zu gestalten, eben wie Wagner, den Nietzsche für „das einzige unvergleichliche Genie dieses Zeitalters“6 hält. Mit dieser singulären Rolle verbunden ist nach Nietzsches Diagnose unüberbrückbare Einsamkeit: Das Genie bleibt unverstanden von seinen tumben Zeitgenossen, von der Masse, die ihm feindlich gegenübersteht. Die Gegenwart erscheint dem jungen Nietzsche als kulturell steril, als epigonal. Nur das Genie, das gegen den herrschenden wissenschaftlich-sokratischen Optimismus einen heroischen Pessimismus revitalisiere, kann seiner Ansicht nach Abhilfe schaffen; nur das Genie kann Kulturerneuerung bringen. Folgerichtig wird alles in den Dienst der Genie-Erzeugung gestellt:

„Aus alledem wird klar, daß der Genius nicht der Menschheit wegen da ist: während er allerdings derselben Spitze und letztes Ziel ist. Es giebt keine höhere Kulturtendenz als die Vorbereitung und Erzeugung des Genius. Auch der Staat ist trotz seines barbarischen Ursprungs und seiner herrschsüchtigen Geberden nur ein Mittel zu diesem Zweck.“ (NL 1871, KSA 7, 11[1], 355)

Damit sind ein radikaler Antidemokratismus und Antiegalitarismus angezeigt, die Nietzsche zeit seines Denkens weit über seine bekanntlich bald abreißende Wagner-Begeisterung hinaus begleiten werden. Zudem ist ein Motiv benannt, dem Nietzsche noch gehorchen wird, als er sich längst vom Ideal des metaphysisch-künstlerischen Genies verabschiedet hat, nämlich das Motiv, dass sich das herausragende Individuum schaffen, „züchten“ lasse, wie es später heißt. Dass dabei der Begriff der Menschenwürde auf eine Weise umbesetzt wird, wie es kaum den Intuitionen der Väter der Aufklärung, der Französischen Revolution oder des Grundgesetzes entspricht7, ist dabei nicht weiter erstaunlich:

„Was aber hier an einem einzelnen Beispiel gezeigt ist, gilt im allgemeinsten Sinne: jeder Mensch, mit seiner gesammten Thätigkeit, hat nur soviel Würde, als er, bewußt oder unbewußt Werkzeug des Genius ist; woraus sofort die ethische Consequenz zu erschließen ist, daß der „Mensch an sich“, der absolute Mensch, weder Würde, noch Rechte, noch Pflichten besitzt: nur als völlig determinirtes, unbewußten Zwecken dienendes Wesen kann der Mensch seine Existenz entschuldigen.“ (CV 3, KSA 1, 776)

In der dritten Unzeitgemässen Betrachtung, die „Schopenhauer als Erzieher“ preist, aber nicht als Erfinder eines metaphysischen Systems, sondern als exemplarische Verkörperung einer philosophischen Lebensform, gilt die „Erzeugung des Genius“ als „das Ziel aller Cultur“ (UB III SE 3, KSA 1, 358). Dieses Werk Nietzsches ist durchaus auch schon als Aufforderung gelesen worden, wir alle hätten das Potential, Genies zu werden, wenn wir uns nur selbst transformierten.8

3. Mittleres Werk

1878 schlägt Nietzsche in Menschliches, Allzumenschliches einen anderen Ton an. Mittlerweile hat er mit Wagner gebrochen und gleichzeitig Abschied genommen von jener Kunst-Romantik, die zum ideologischen Kern des Wagnerianismus gehörte. Jetzt ist es „mindestens fraglich, ob der Aberglaube vom Genie, von seinen Vorrechten und Sondervermögen für das Genie selber von Nutzen sei, wenn er in ihm sich einwurzelt“ (MA I 164, KSA 2, 154).9 Es setzt eine Psychologisierung des Genies ein, das die Bedingung seiner Schaffenskraft nicht mehr in einer intuitiven Einsicht in das wahre Wesen der Welt dingfest macht, sondern in harter Arbeit, in einem langwierigen Erkenntnisprozess. Der „Cultus des Genius’“ wird mit „Eitelkeit“ assoziiert:

„Aber von jenen Einflüsterungen unserer Eitelkeit abgesehen, so erscheint die Thätigkeit des Genie’s durchaus nicht als etwas Grundverschiedenes von der Thätigkeit des mechanischen Erfinders, des astronomischen oder historischen Gelehrten, des Meisters der Taktik. Alle diese Thätigkeiten erklären sich, wenn man sich Menschen vergegenwärtigt, deren Denken in Einer Richtung thätig ist, die Alles als Stoff benützen, die immer ihrem innern Leben und dem Anderer mit Eifer zusehen, die überall Vorbilder, Anreizungen erblicken, die in der Combination ihrer Mittel nicht müde werden. Das Genie thut auch Nichts, als dass es erst Steine setzen, dann bauen lernt, dass es immer nach Stoff sucht und immer an ihm herumformt.“ (MA I 162, KSA 2, 151-152)

Die Privilegierung des Künstlers als Genie entfällt, der Wissenschaftler wird rehabilitiert und mit dem Künstler auf eine Stufe gestellt. „Der neue Entwurf des genialen Menschen handelt nicht mehr vom Künstler wie die Frühschriften, sondern vom Intellektuellen.“10 Zugleich macht sich eine genealogische Perspektivierung bemerkbar, die in Nietzsches Schriften der späteren Achtzigerjahre zum methodischen Programm wird: Er stellt heraus, dass es ein altes, quasi mythologisches Vorurteil sei, das uns das „Vollkommene“ als Nicht-Gewordenes erscheinen lasse: „Wir sind gewöhnt, bei allem Vollkommenen die Frage nach dem Werden zu unterlassen: sondern uns des Gegenwärtigen zu freuen, wie als ob es auf einen Zauberschlag aus dem Boden aufgestiegen sei.“ (MA I 145, KSA 2, 141) Alles ist – das ist Ausdruck des neuen „historische[n] Philosophiren[s]“, das Nietzsche zu Beginn von Menschliches, Allzumenschliches einfordert – „und mit ihm die Tugend der Bescheidung“ (MA I 2, KSA 2, 25).

In der Fröhlichen Wissenschaft von 1882 zeichnet sich eine eigentliche Philosophie des Heroischen ab – Nietzsche spielt im Sommer 1882 sogar mit dem schließlich verworfenen Gedanken, sein neues Buch als „Entwurf einer heroischen Philosophie“ (NL 1882, 1[83], KSA 10, 31) firmieren zu lassen. Im ersten der acht „granitnen Sätze“, die Nietzsche seinem Buch während der Korrekturphase noch hinzufügt, heißt es: „Was macht heroisch? – Zugleich seinem höchsten Leide und seiner höchsten Hoffnung entgegengehn.“ (FW 268, KSA 3, 519)11 In diesen heroischen Motivkomplex findet das Genie aus dem Frühwerk nahtlos Eingang; es wird jetzt ins Tragische gesteigert. Das ließe sich auch in Also sprach Zarathustra (1883–1885) zeigen, wo die Losung vom „Übermenschen“ auf spätere Leser geradezu magisch anziehend wirkte und das alte Genie beerbte. Aber die Titelfigur Zarathustra dringt mit ihrer Lehre vom Übermenschen bei den Menschen, denen sie sie näherbringen will, nicht durch. Die übermenschlich travestierte Genie-Lehre ist eine scheiternde und in ihrem Scheitern vorgeführte Lehre.

4. Spätwerk

Für die Frage nach dem großen Individuum in Nietzsches Spätwerk stellten Darwin und der Darwinismus in seinen diversen rezeptionsgeschichtlichen Brechungen eine Inspirationsquelle dar. Der Anti-Darwin betitelte Abschnitt 14 in den Streifzügen eines Unzeitgemässen, dem zweitletzten Kapitel in der letzten von Nietzsche selbst zum Druck autorisierten Schrift, der Götzen-Dämmerung, ist häufig als eine Schlüsselstelle zur Erhellung von Nietzsches Denkhorizont herangezogen worden. Der Anti-Darwin ist dabei nur einer von zahlreichen Abgrenzungsversuchen Nietzsches gegen diverse prägende Figuren des zeitgenössischen intellektuellen Lebens: Ernest Renan, Charles-Augustin Sainte-Beuve, George Eliot, Thomas Carlyle und andere mehr. Der Abschnitt gegen Darwin schliesst eine ganze Reihe solcher scheinbar ganz personenbezogener Artikel ab und erhält als Abschluss eine herausgehobene Stellung. So unterschiedlich nun die Personen und ihre Werke sind, gegen die Nietzsche hier anschreibt, so deutlich ist doch, dass er überall Verwechslungsgefahr wittert: Renan könnte ihm in der Deutung Jesu und des frühen Christentums bedenklich nahe kommen, Sainte-Beuve mit seinem psychologischen Blick, George Eliot mit ihrer Christentumsferne. In EH Warum ich so gute Bücher schreibe 1 heisst es über die Rezeption des Gedankens vom Übermenschen: „Andres gelehrtes Hornvieh hat mich seinethalben des Darwinismus verdächtigt; selbst der von mir so boshaft abgelehnte ‚Heroen-Cultus‘ jenes grossen Falschmünzers wider Wissen und Willen, Carlyle’s, ist darin wiedererkannt worden.“ (KSA 6, 300) Im Falle von Carlyle und Darwin ist die Möglichkeit der Verwechslung nicht bloss latent, sondern wurde von Nietzsche bereits als Tatsache wahrgenommen. Entsprechend skandiert er sein eigenes Programm: „Hört mich! denn ich bin der und der. Verwechselt mich vor Allem nicht!“ (EH Vorwort 1, KSA 6, 257)

Nietzsches anhaltende Auseinandersetzung mit Darwinschen Themen und Thesen rührt daher, dass Darwin sowohl zu einem radikal historischen Denken anhält – alles, was ist, ist geworden –, als auch zu einer radikalen Naturalisierung scheinbarer Übernatürlichkeiten. Der Geist ist einerseits ein natürliches Phänomen, andererseits ein historisches Phänomen. Gleiches gilt für den Menschen, egal, ob im Mittelmaß oder in einsamer Größe. Diese Größe wiederum will Nietzsche für sich selbst in Anspruch nehmen, und zwar nicht als geistloser Muskelprotz, sondern als überkomplexes, nicht auf einen Nenner reduzierbares Genie. Die Anerkennung seiner Größe will er erreichen durch Unterscheidung, durch Nicht-Identifikation mit dem schon Gesagten und schon Gedachten. Der große Mensch ist groß, weil er anders ist als alle anderen, weil er nicht in der Gattung, im Einerlei aufgeht. In der Einebnung der individuellen Differenz, im Aufgehen des Individuums im Gattungseinerlei besteht denn auch eine, wenn nicht die wesentliche Provokation des Darwinismus für Nietzsche. Er will vor allem nicht verwechselt werden. Und dazu sind alle Mittel recht. In Nietzsches späteren Schriften verliert das Genie, zumindest dem Namen nach, seine einstige Prominenz endgültig. Es wird nicht nur psychologisiert und historisiert, sondern auch physiologisiert – namentlich unter dem Eindruck der Lektüre von Henri Jolys Psychologie des grands hommes.12 Freilich ist Nietzsche keineswegs bereit, auf die Idee vom großen, geschichtsbestimmenden Individuum, vom singulären Gestalter und Wegbereiter, vom „Übermenschen“ zu verzichten. Allerdings hat er die metaphysisch-künstlerische Genie-Konzeption aufgegeben, obwohl gerade sie rezeptionsgeschichtlich dominant geworden ist. Festzustellen ist auch, dass Nietzsches Beitrag zum Genie-Diskurs wesentlich darin besteht, dass er selbst die alte metaphysisch-künstlerische Genie-Konzeption auf den letzten Gipfel treibt, unter Inkaufnahme aller sich daraus ergebender Absurditäten, dass er dann aber selbst die entscheidende Wendung einer Naturalisierung und Historisierung des Genies unternimmt – nicht ohne, unter anderem Namen, an seiner Normativität festzuhalten. Einsicht in die Genese des Genies oder wahlweise großen Individuums muss dessen kulturnormierende Geltung nicht beeinträchtigen.

In den Streifzügen der Götzen-Dämmerung findet sich auch der folgende Abschnitt:

Mein Begriff vom Genie. — Grosse Männer sind wie grosse Zeiten Explosiv-Stoffe, in denen eine ungeheure Kraft aufgehäuft ist; ihre Voraussetzung ist immer, historisch und physiologisch, dass lange auf sie hin gesammelt, gehäuft, gespart und bewahrt worden ist, — dass lange keine Explosion stattfand. Ist die Spannung in der Masse zu gross geworden, so genügt der zufälligste Reiz, das „Genie“, die „That“, das grosse Schicksal in die Welt zu rufen. Was liegt dann an Umgebung, an Zeitalter, an „Zeitgeist“, an „öffentlicher Meinung“! — Man nehme den Fall Napoleon’s. Das Frankreich der Revolution, und noch mehr das der Vor-Revolution, würde aus sich den entgegengesetzten Typus, als der Napoleon’s ist, hervorgebracht haben: es hat ihn auch hervorgebracht. Und weil Napoleon anders war, Erbe einer stärkeren, längeren, älteren Civilisation als die, welche in Frankreich in Dampf und Stücke gieng, wurde er hier Herr, war er allein hier Herr. Die grossen Menschen sind nothwendig, die Zeit, in der sie erscheinen, ist zufällig; dass sie fast immer über dieselbe Herr werden, liegt nur darin, dass sie stärker, dass sie älter sind, dass länger auf sie hin gesammelt worden ist. Zwischen einem Genie und seiner Zeit besteht ein Verhältniss, wie zwischen stark und schwach, auch wie zwischen alt und jung: die Zeit ist relativ immer viel jünger, dünner, unmündiger, unsicherer, kindischer. — Dass man hierüber in Frankreich heute sehr anders denkt (in Deutschland auch: aber daran liegt nichts), dass dort die Theorie vom milieu, eine wahre Neurotiker-Theorie, sakrosankt und beinahe wissenschaftlich geworden ist und bis unter die Physiologen Glauben findet, das „riecht nicht gut“, das macht Einem traurige Gedanken. — Man versteht es auch in England nicht anders, doch darüber wird sich kein Mensch betrüben. Dem Engländer stehen nur zwei Wege offen, sich mit dem Genie und „grossen Manne“ abzufinden: entweder demokratisch in der Art Buckle’s oder religiös in der Art Carlyle’s. — Die Gefahr, die in grossen Menschen und Zeiten liegt, ist ausserordentlich; die Erschöpfung jeder Art, die Sterilität folgt ihnen auf dem Fusse. Der grosse Mensch ist ein Ende; die grosse Zeit, die Renaissance zum Beispiel, ist ein Ende. Das Genie — in Werk, in That — ist nothwendig ein Verschwender: dass es sich ausgiebt, ist seine Grösse … Der Instinkt der Selbsterhaltung ist gleichsam ausgehängt; der übergewaltige Druck der ausströmenden Kräfte verbietet ihm jede solche Obhut und Vorsicht. Man nennt das „Aufopferung“; man rühmt seinen „Heroismus“ darin, seine Gleichgültigkeit gegen das eigne Wohl, seine Hingebung für eine Idee, eine grosse Sache, ein Vaterland: Alles Missverständnisse … Er strömt aus, er strömt über, er verbraucht sich, er schont sich nicht, — mit Fatalität, verhängnissvoll, unfreiwillig, wie das Ausbrechen eines Flusses über seine Ufer unfreiwillig ist. Aber weil man solchen Explosiven viel verdankt, hat man ihnen auch viel dagegen geschenkt, zum Beispiel eine Art höherer Moral … Das ist ja die Art der menschlichen Dankbarkeit: sie missversteht ihre Wohlthäter.“ (GD Streifzüge 44, KSA 6, 145-146)

Einige Abschnitte früher ist das Genie als „subtile[.] und unter höchstem Druck arbeitende[.] Maschine“ eingeführt worden, der naturgemäss „extreme Verletzlichkeit“ eigen sei, weswegen man sich am besten wie Caesar „ungeheure Märsche, einfachste Lebensweise, ununterbrochner Aufenthalt im Freien, beständige Strapazen“ verordne (GD Streifzüge 31, KSA 6, 130). Viererlei fällt auf: 1. Die Künstler sind als Genie-Prototypen entfallen; an ihre Stelle treten Figuren wie Caesar und Napoleon. 2. Das Genie ist aller Romantik entkleidet und in das materialistische Maschinen-Zeitalter überführt; es handelt sich nur um einen besonders hoch entwickelten Organismus. 3. Das Genie verfügt im Unterschied zu seinem Schopenhauer-Wagnerschen Vorfahren über keine privilegierte Einsicht ins Wesen der Welt. 4. Das Genie ist nicht schöpferisch, sondern gewaltsam.

Sieht man sich GD Streifzüge 44 etwas genauer an, fällt zunächst die Spannung zu GD Streifzüge eines Unzeitgemässen 14, KSA 6, 120 auf, wo gerade die quasi naturnotwendige Unterlegenheit der höheren Individuen gegenüber der Masse konstatiert wird. Das in GD Streifzüge 44 artikulierte Vertrauen in die Reichweite genialen Tuns scheint trotz des historischen Beispiels Napoleon mehr appellativen als konstativen Charakter zu haben. Zu dieser Beispiel-Wahl ist anzumerken, dass Nietzsche in AC 29, KSA 6, 199-200 dagegen polemisiert, dass Ernest Renan in seiner Vie de Jésus (1863) Jesus mit den Begriffen „Held“ und „Genie“ belege. Folgerichtig wählt er in GD den extremsten Gegentypus zu Jesus, eben Napoleon als Prototyp seines eigenen Geniebegriffs, den er weniger expliziert als illustriert. Wenn „große Männer“ wie Sprengstoff wirken, sollen sie sich wohl die sich aufstauende Entwicklung auch in der Entartung, der décadence, von der GD Streifzüge eines Unzeitgemässen 43, KSA 6, 144, 28-31 gesprochen hat, zunutze machen können. So sieht Nietzsche als Umwerter aller Werte sein Verhältnis zu seiner eigenen Zeit.13 „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“ (EH Warum ich ein Schicksal bin 1, KSA 6, 365, 7-8)

Nietzsches späte Profilierung des Genie-Begriffs grenzt sich vor allem gegen die zeitgenössischen Milieu-Theorien ab, die das Handeln eines Menschen als Produkt seiner Zeit verstanden wissen wollten. Wenn er in GD Streifzüge 44 rhetorisch fragt, was an „Umgebung“, „Zeitgeist“ und „öffentlicher Meinung“ liege, bezieht er sich hier auch auf eine Quelle, nämlich das Journal des Goncourt, wo es heisst „Quelle ironie! Les gens d’esprit, de génie, se tuant toute leur vie pour cette grosse bête de public, tout en méprisant, au fond de leur cœur, chaque imbécile qui le compose.“14 Insbesondere Auguste Comte und Hippolyte Taine haben dem Milieu – synonym für Umgebung oder Umwelt – eine entscheidende Rolle bei der Prägung individueller Persönlichkeit zugebilligt. Autoren wie Émile Zola machen aus der Milieu-Theorie ein literarisches Programm, nämlich den Menschen als Produkt des und in Interaktion mit seinem Milieu darzustellen. Die Reflexion darauf, inwiefern das Milieu die Ausbildung bestimmter Individualitätsformen begünstigt, weist Nietzsche in den Werken – im Unterschied zum Nachlass – freilich nicht prinzipiell, sondern nur im Blick auf das Genie von sich. Im Fall des dezidiert nicht als Genie geltenden Jesus von Nazareth ist der Rückgriff auf das Milieu-Schema offenbar auch für Nietzsche legitim (vgl. AC 31, KSA 6, 201). Der folgende Abschnitt 45 der Streifzüge eines Unzeitgemässen handelt schliesslich vom Verbrecher, der als ein von seinem Milieu krank gemachter Starker erscheint und in die Nähe des Genies rückt.

Genauer betrachtet, ist auch das Genie und grosse Individuum in Nietzsches Spätwerk nicht weniger bedenklich als sein metaphysisch-romantischer Vorfahre aus der Geburt der Tragödie. Aber in der Produktion von Bedenklichem bestand zweifellos eine Wirkungsabsicht Nietzsches. Das grosse Individuum ist ein Entgrenzungsspezialist. Das wiederum entspricht vermutlich Nietzsches Selbstverständnis.

5. Rezeption

Blieb Nietzsche zeit seines bewussten Lebens als philosophischer Schriftsteller kolossal erfolglos, so änderte sich die Situation grundlegend, nachdem er im Januar 1889 in geistige Umnachtung gefallen war. Nun nahm plötzlich eine breite Öffentlichkeit von ihm Notiz, und die Figur des einsamen, verkannten Genies schien exemplarisch auf ihn zu passen. Die Verklärung Nietzsches zum Genie ging einher mit seiner entschiedenen ⟶Heroisierung, der sich insbesondere seine Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche verschrieben hatte. Noch bevor sie mit ihrem bald gegründeten Nietzsche-Archiv das rezeptionsgeschichtliche Geschick ihres Bruders energisch in die eigenen Hände nahm und ein halbes Jahrhundert dominierte, lobte sie Heinrich Köselitz in einem Brief vom 28. November 1892 überschwänglich für dessen Einleitung zu einer ersten Nietzsche-Werkausgabe: „Ein besseres Bild von unserem theuren welterobernden Helden zu geben ist unmöglich“.15 Bald bürgerte sich die Vorstellung vom „heroischen Außenseiter“ allgemein ein.16 Dass Nietzsche sowohl Genie als auch Held sei, wird zu einem tragenden Motiv in den biographischen Annäherungen, die Förster-Nietzsche in rascher Folge vorlegte, erlaubte es doch, diese Lebenserzählungen mit dem nötigen Spannungsbogen auszustatten: „das Schicksal des Genies ist immer Tragödie“.17 Bei Köselitz wiederum entsteht der Eindruck, Nietzsche selbst sei ein eigentlicher Prediger titanenhafter Zukunftsgenialität:

„Das Ziel der Menschheit — ruft Nietzsche — liegt nicht an ihrem Ende: — sondern in ihren höchsten Exemplaren! … Dass der grosse Mensch immer wieder entstehe und unter euch leben könne: — dies sei der Sinn eures Erdenmühens! Dass es immer wieder Menschen gebe, die euch emporheben zu ihrer Höhe, die euch das Gefühl des Verwaistseins nehmen, die euch hineinziehen in ihre Ziele und Aufgaben, die ein neues Leben, einen neuen Schwung in eure Köpfe und Herzen bringen: — dies sei der Preis, um den ihr lebt! Denn erst das zeitweilige Zu-Stande-kommen solcher Menschen rechtfertigt auch euer Dasein! Ohne sie ist euer Dasein nichtig; aber auch ihr Dasein ist, ohne ein Mitschwingen verwandter Seelen, beinahe vergeblich. — Und hier ist der Punkt, aus dem der Kreis eurer Pflichten gegen die wahre Cultur erwächst. Wisst ihr ja nur zu gut, wie jedes Grosse (eben dadurch, dass es nicht klein ist) Alles wider sich hat, was klein ist, was dem Herkommen fröhnt, was nicht begabt und kräftig genug zum Umlernen ist. Gewöhnlich stellt das Grosse bei seinem Hervortreten sogar in Widerspruch mit dem bis dahin in seiner eignen Art bekannten: das Grosse ist anfangs in irgendwelchem Sinne ein ‚Verbrechen‘.“18

So geht das „Zitat“ noch über einige Zeilen weiter, nämlich in einer dem sechsten Band der sogenannten Großoktav-Ausgabe von Nietzsches „Werken“ 1899 beigegebenen „Einführung in den Gedankenkreis von Also sprach Zarathustra“ aus Köselitz’ Feder. Eingeführt wird die Passage mit den Worten „In der That, es hat oft den Anschein, als wären wir auf diesem Wege, und als gebe es keine Herzen mehr, in denen Nietzsche’s Ruf wiederhallte.“ Und danach folgt eben in Anführungszeichen, was „Nietzsche’s Ruf“ zu sein scheint und was fortan öfter einmal als Nietzsche-Originalwortlaut kolportiert wird. Was sich als Zitat ausgibt, ist es, nach allem, was wir wissen und aus Nietzsches Nachlass kennen, nicht. Nur der allererste Satz könnte als variiertes Original durchgehen: „Nein, das Ziel der Menschheit kann nicht am Ende liegen, sondern nur in ihren höchsten Exemplaren.“ (UB II HL 9, KSA 1, 317) Der Rest ist eine reine Projektion, angereichert mit Versatzstücken aus diversen Werkperioden Nietzsches – der Versuch, Nietzsche ins Praktische zu übersetzen, aus ihm Handlungsanleitungen in Sachen Größe zu destillieren – und ihn dabei unfreiwillig aufs Westentaschenformat eines Genie-Predigers zu minimieren. Nicht einmal Carl Albrecht Bernoulli, entschiedenster Gegner Elisabeth Förster-Nietzsches und ihres Nietzsche-Verwertungsarchivs, konnte sich ihrer Genie- und Heldenschablone im Blick auf Nietzsche entziehen: „Er ist der schließlich unterliegende, aber gegen sein Schicksal sich bis auf den letzten Blutstropfen wehrende Denkerheld.“19 Immerhin hält er das Genie nicht für einen gottgleichen Selbstschöpfer: „Die größten Genies sind auch die größten Freibeuter – das ist nun einmal nicht anders. Irgendwoher hat es jeder. Es kommt einzig und allein auf die Intensität der Aneignung an – daß das Fremde vom Eigenen […] verschlungen werde“.20 Schon 1907 war Nietzsche im Stollwerck Sammel-Album Nummer 10, in das der eifrige Esser von Schokolade der Firma Stollwerck 288 Bilder der „Helden des Geistes und vom Schwert“ einkleben konnte, schon ganz selbstverständlich unter den „Große[n] Genies des 19. Jahrhunderts“ eingereiht, zusammen mit Carl Maria von Weber, Richard Wagner, Arthur Schopenhauer, Hermann von Helmholtz und Werner von Siemens, und ausgewiesen als einer „der berühmtesten philosophischen Schriftsteller aller Zeiten“.21

Bei alledem schien Nietzsches Heroismus ansteckend zu sein. Isabella von Ungern-Sternberg attestierte Elisabeth Förster-Nietzsches Mut schon 1902, dass er sich „im Drange des Gefühls bis zum Heldenhaften“ gesteigert habe.22 „Die abgeschiedene Lage der Villa Silberblick“ – Sitz des Nietzsche-Archivs und Verwahrort des umnachteten Philosophen bis zum Tod im Jahr 1900 – „hoch über Weimar begünstigte die Heroisierung der eigenen Tätigkeit“.23

Die Genie- und Heldenschablone schlägt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwar gelegentlich auch ins leise Ironische aus – so in Gottfried Benns Gedicht Turin von 1935: „‚Ich laufe auf zerrissenen Sohlen‘, / schrieb dieses große Weltgenie / in seinem letzten Brief – , dann holen / sie ihn nach Jena – Psychiatrie.“24 Aber schon 1933 sprach Walter Linden im Nietzsche-Archiv über „Friedrich Nietzsches Lehre der Ewigen Wiederkunft und die Stellung seiner Philosophie zum Heroismus unserer Zeit“.25 Und ganz groß im Kurs war im „Dritten Reich“ eine Nietzsche zugeschriebene Sentenz: „Ein Held ist, wer einer großen Sache so dient, dass seine Person dabei gar nicht in Frage kommt.“ Nur leider handelt es sich um ein falsches, für die heroischen Zeitbedürfnisse zurechtgefälschtes Nietzsche-Zitat.26 „Nach 1945 bestand an einem ‚heroischen Nietzsche‘ kein Bedarf mehr.“27

6. Forschung

Dem Genie-Gestus, in dem sich Nietzsche und mehr noch zahllose Nietzscheaner gefallen haben, ist man schon früh mit Misstrauen begegnet. Konnte Ferdinand Tönnies in seiner Abrechnung Der Nietzsche-Kultus 1893 noch über die „Nietzsche-Narren“ als „dürftige und mittelmäßige Halb-Genies“ spotten28, hat die letzte Aufgipfelung des stürmerisch-drängerischen und romantischen Genie-Gedankens bei Nietzsche in der intellektuellen und politischen Landschaft des 20. Jahrhunderts derart monströse Nachahmer gefunden, dass einem das Spotten vergeht. Nietzsches früher Genie-Enthusiasmus hat katalytisch gewirkt, seine eigene Kritik an diesem Enthusiasmus hingegen kaum kathartisch.

Aber das Interesse an Nietzsches geniebezüglichen Äußerungen hat in den letzten Jahrzehnten merklich abgenommen. Schaut man sich die sekundärliterarischen Bemühungen an, so gibt es zum Thema Genie bei Nietzsche eine gewaltige Forschungskonjunktur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die abebbt und schließlich im einschlägigen Kapitel von Jochen Schmidts Geschichte des Genie-Gedankens 1985 ihre endgültige und abschließende Ernüchterung erfährt.29 Jüngere Beiträge zum Thema sind sporadisch und wissenschaftlich distanziert30; im voluminösen neuen Nietzsche-Lexikon fehlt ein Genie-Artikel ganz.31 Kaum etwas in Nietzsches Denken scheint im frühen 21. Jahrhundert so abgestanden, so wenig anschlussfähig wie sein früher Genie-Enthusiasmus. Es sei denn, die Genie-Werdung wird verstanden als Appell an uns alle. Das tun beispielsweise manche Transhumanisten, die sich auf Nietzsche berufen.32

7. Einzelnachweise
  • 1 .
    Siehe Nasser, Eduardo: „O destino do gênio e o gênio enquanto destino: o problema do gênio no jovem Nietzsche“. In: Cadernos Nietzsche. No. 30. São Paulo 2012, 287-302.
  • 2 .
    Vgl. neben Neymeyr, Barbara: „Das Genie als Hermaphrodit? – Zur Problematik ästhetischer Fertilitätsmetaphorik“. In: Neymeyr, Barbara (Hg.): Ästhetische Autonomie als Abnormität. Kritische Analysen zu Schopenhauers Ästhetik im Horizont seiner Willensmetaphysik. Berlin / New York 1996: de Gruyter, 265-286 auch schon Ritter, Joachim: „Genie III“. In: Ritter, Joachim (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 3. Basel 1974: WBG, Sp. 285-309, hier Sp. 303-306.
  • 3 .
    Vgl. Sommer, Andreas Urs: Der Geist der Historie und das Ende des Christentums. Zur „Waffengenossenschaft“ von Friedrich Nietzsche und Franz Overbeck. Mit einem Anhang unveröffentlichter Texte aus Overbecks „Kirchenlexicon“. Berlin 1997: de Gruyter, 18-29. Über Nietzsches Philologie-Verständnis orientiert umfassend Benne, Christian: Nietzsche und die historisch-kritische Philologie. Berlin / New York 2005: de Gruyter.
  • 4 .
    Nietzsche, Friedrich: Encyclopädie der klassischen Philologie. In: KGW II/3, 368.
  • 5 .
    Vgl. auch Nietzsches Brief an Gersdorff vom 28. September 1869 (KSB 3, Nr. 32, 61).
  • 6 .
    Jaspers, Karl: Nietzsche. Einführung in das Verständnis seines Philosophierens. 4. unveränderte Auflage. Berlin / New York 1974 [1936], 66.
  • 7 .
    Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie-Gedankens in der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750–1945. Band 2: Von der Romantik bis zum Ende des Dritten Reichs [1985]. 3. verbesserte Auflage. Heidelberg 2004: Winter, 129, deutet Nietzsches „Hinwendung zum ‚Genie‘“ als „Ausdruck der Reaktion: der Reaktion auf die Folgen der modernen Verwissenschaftlichung und auf die steril gewordene Bildungswelt des 19. Jahrhunderts, der Reaktion auf die nivellierende Massengesellschaft, der Reaktion auf metaphysische Entwurzelung“.
  • 8 .
    Conant, James: „Das Exemplarische bei Emerson und Nietzsche“. In: Benne, Christian / Müller, Enrico (Hg.): Ohnmacht des Subjekts – Macht der Persönlichkeit. Basel 2014: Schwabe, 207-225.
  • 9 .
    In der Retraktation von MA schreibt Nietzsche 1888: „Ein Irrthum nach dem andern wird gelassen aufs Eis gelegt, das Ideal wird nicht widerlegt – es erfriert… Hier zum Beispiel erfriert ‚das Genie‘; eine Ecke weiter erfriert ‚der Heilige‘; unter einem dicken Eiszapfen erfriert ‚der Held‘; am Schluss erfriert ‚der Glaube‘, die sogenannte ‚Überzeugung‘, auch das ‚Mitleiden‘ kühlt sich bedeutend ab – fast überall erfriert ‚das Ding an sich‘…“ (EH MA 1, KSA 6, 323).
  • 10 .
    Schmidt: Die Geschichte des Genie-Gedankens, Band 2, 2004, 164.
  • 11 .
    Dazu ausführlich Brusotti, Marco: Die Leidenschaft der Erkenntnis. Philosophie und ästhetische Lebensgestaltung bei Nietzsche von Morgenröthe bis Also sprach Zarathustra. Berlin / New York 1997: de Gruyter, 508-516.
  • 12 .
    Joly, Henri: Psychologie des grands hommes. Paris 1883.
  • 13 .
    An einer Parallelstelle in EH Warum ich so weise bin 3, KSA 6, 269 kommt dies noch stärker zum Tragen: „Die höheren Naturen haben ihren Ursprung unendlich weiter zurück, auf sie hin hat am längsten gesammelt, gespart, gehäuft werden müssen. Die grossen Individuen sind die ältesten: ich verstehe es nicht, aber Julius Cäsar könnte mein Vater sein — oder Alexander, dieser leibhafte Dionysos…“
  • 14 .
    Goncourt, Edmond Huot de / Goncourt, Jules Huot de: Journal des Goncourt. Mémoires de la vie littéraire. Band 3: 1866–1870. Paris 1888, 29.
  • 15 .
    Zitiert Sieg, Ulrich: Die Macht des Willens. Elisabeth Förster-Nietzsche und ihre Welt. München 2019: Hanser, 159-160.
  • 16 .
    Sieg: Die Macht des Willens, 2019, 190.
  • 17 .
    Förster-Nietzsche, Elisabeth: Das Leben Friedrich Nietzsche’s. Band 2/1. Leipzig 1897, 153.
  • 18 .
    Gast, Peter [Pseudonym für Heinrich Köselitz]: Einführung in den Gedankenkreis von Also sprach Zarathustra. In: Nietzsche’s Werke. Erste Abtheilung. Band VI: Also sprach Zarathustra. Leipzig 1899, 486-521, hier 496-497.
  • 19 .
    Bernoulli, Carl Albrecht: Franz Overbeck und Friedrich Nietzsche. Eine Freundschaft. Nach ungedruckten Quellen und im Zusammenhang mit der bisherigen Forschung dargestellt. Band 1. Jena 1908, 289.
  • 20 .
    Bernoulli: Franz Overbeck und Friedrich Nietzsche, Band 1, 1908, 160.
  • 21 .
    Stollwerck Sammel-Album No. 10, Köln 1907, Seite „Große Genies des 19. Jahrhunderts“.
  • 22 .
    Ungern-Sternberg, Isabella: Nietzsche im Spiegelbilde seiner Schrift. Leipzig 1902, 40.
  • 23 .
    Sieg: Die Macht des Willens, 2019, 200.
  • 24 .
    Benn, Gottfried: Gesammelte Werke in acht Bänden. Hg. von Dieter Wellershoff. Band 1: Gedichte. Wiesbaden 1960: Limes, 177.
  • 25 .
    Sieg: Die Macht des Willens, 2019, 325.
  • 26 .
    Dazu ausführlich Sommer, Andreas Urs: Nietzsche und die Folgen. 2, erweiterte Auflage, mit einem Anhang: Fake Nietzsche. Stuttgart 2019: Metzler, 217-218.
  • 27 .
    Sieg: Die Macht des Willens, 2019, 347.
  • 28 .
    Tönnies, Ferdinand: Der Nietzsche-Kultus. Eine Kritik [1893]. Hg. von Günther Rudolph. Berlin 1990: Severus, 104.
  • 29 .
    Schmidt: Die Geschichte des Genie-Gedankens, Band 2, 2004, 129-168.
  • 30 .
    Zu nennen sind Tanner, Michael: „Nietzsche on Genius“. In: Murray, Penelope (Hg.): Genius. The History of an Idea. Oxford 1989: Blackwell, 128-140; Neymeyr, Barbara: „Das Genie als Hermaphrodit? Schopenhauers ästhetische Fertilitätsmetaphorik und ihr Verhältnis zu Nietzsche“. In: Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft 40 (1995), 199-217, bes. 213-217; Joisten, Karen: „Nietzsches Verständnis des ‚Genius‘ in der frühen Phase seines transanthropologischen Denkens. Versuch einer Stellungnahme zum wesentlichen Unterschied zwischen Nietzsche und Wagner“. In: Nietzscheforschung 2 (1995), 193-204 und Campioni, Giuliano: „Genie“. In: Ottmann, Henning (Hg.): Nietzsche-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart / Weimar 2000: Metzler, 239-241.
  • 31 .
    Niemeyer, Christian (Hg.): Nietzsche-Lexikon. Darmstadt 2009: WBG.
  • 32 .
    Vgl. z. B. Sorgner, Stefan L.: „Nietzsche, Transhumanismus und drei Arten der (post)humanen Perfektion“. In: Friedrich, Orsolya / Aurenque, Diana / Assadi, Galia / Schleidgen, Sebastian (Hg.): Nietzsche, Foucault und die Medizin. Philosophische Impulse für die Medizinethik (Hg.). Bielefeld 2016: transcript, 245-267.
8. Ausgewählte Literatur
  • Campioni, Giuliano: „Genie“. In: Ottmann, Henning (Hg.): Nietzsche-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart / Weimar 2000: Metzler, 239-241.

  • Joisten, Karen: „Nietzsches Verständnis des ‚Genius‘ in der frühen Phase seines transanthropologischen Denkens. Versuch einer Stellungnahme zum wesentlichen Unterschied zwischen Nietzsche und Wagner“. In: Nietzscheforschung 2 (1995), 193-204.

  • Nasser, Eduardo: „O destino do gênio e o gênio enquanto destino : o problema do gênio no jovem Nietzsche“. In: Cadernos Nietzsche. No. 30. São Paulo 2012, 287-302.

  • Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie-Gedankens in der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750–1945. Band 2: Von der Romantik bis zum Ende des Dritten Reichs [1985]. 3. verbesserte Auflage. Heidelberg 2004: Winter, 129-168.

  • Sieg, Ulrich: Die Macht des Willens. Elisabeth Förster-Nietzsche und ihre Welt. München 2019: Hanser.

  • Siemens, Herman: „Nietzsche contra Kant on genius, originality and agonal succession“. In: João Mayer Branco, Maria / Hay, Katia (Hg.): Nietzsche and Kant on Aesthetics and Anthropology. London u. a. 2017: Bloomsbury, 15-42.

  • Sommer, Andreas Urs: „Nietzsche, das Genie und die Zucht großer Menschen“. In: Wellner, Klaus (Hg.): Nietzsche – sein Denken und dessen Entwicklungspotentiale. Neu-Isenburg 2011: Angelika Lenz, 190-219.

  • Sommer, Andreas Urs: Nietzsche und die Folgen. 2, erweiterte Auflage, mit einem Anhang: Fake Nietzsche. Stuttgart 2019: Metzler.

  • Tanner, Michael: „Nietzsche on Genius“. In: Murray, Penelope (Hg.): Genius. The History of an Idea. Oxford 1989: Blackwell, 128-140.

9. Abkürzungen

AC – Nietzsche, Friedrich: Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum [1888]. In: KSA 6, 165-254.

CV – Nietzsche, Friedrich: Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern. In: KSA 1, 753-792.

EH – Nietzsche, Friedrich: Ecce homo. Wie man wird, was man ist [1888]. In: KSA 6, 255-374.

FW – Nietzsche, Friedrich: Die fröhliche Wissenschaft („la gaya scienza“) [1882/87]. In: KSA 3, 343-651.

GD – Nietzsche, Friedrich: Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt [1888]. In: KSA 6, 55-161.

KGW – Nietzsche, Friedrich: Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Berlin / New York 1967ff.

KSA – Nietzsche, Friedrich: Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Einzelbänden. Hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. 3. Auflage. München / Berlin / New York 1999.

KSB – Nietzsche, Friedrich: Sämtliche Briefe. Kritische Studienausgabe in 8 Bänden. Hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. 2. Auflage. München / Berlin / New York 2003.

MA I-II – Nietzsche, Friedrich: Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister [1878/86] = KSA 2.

NL – Nietzsche, Friedrich: Nachlass, zitiert nach KSA.

UB III SE – Nietzsche, Friedrich: Unzeitgemässe Betrachtungen. Drittes Stück: Schopenhauer als Erzieher [1874]. In: KSA 1, 335-427.

10. Abbildungsnachweise

Teaserbild: Medaille von Curt Stoeving (1863–1939) mit dem Profil Friedrich Nietzsches, 1900.
Quelle: Fotografie von Andreas Urs Sommer
Lizenz: Creative Commons BY-SA 4.0

Zitierweise

Sommer, Andreas Urs: „Genie (Nietzsche)“. In: Compendium heroicum. Hg. von Ronald G. Asch, Achim Aurnhammer, Georg Feitscher und Anna Schreurs-Morét, publiziert vom Sonderforschungsbereich 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ der Universität Freiburg, Freiburg 09.09.2019. DOI: 10.6094/heroicum/gd1.0.20190909